Als kleines Mädchen hatte sie einen Traum: Sie wollte Kampfjet-Pilotin werden. Sehr untypisch für eine Frau. Doch ihr Vater, ein ausgesprochen großer Weinliebhaber, beeinflusste ihr Leben nachhaltig. Er führte sie in die Welt der Trauben und ihrer Magie in Flaschen ein. Heute arbeitet Floriane Eznack in einem ebenso untypischen Frauenberuf: Mit gerade einmal 32 Jahren ist sie der erste weibliche Kellermeister bei Jacquart – einem jungen, innovativen Champagnerhaus auf dem Weg zur Spitze - geworden.
"Dieser Zauber der Perlage", schwärmt Floriane mit einem sehnsüchtigen Lächeln auf den Lippen. Es ist zehn Uhr morgens. Vielleicht doch noch ein bisschen zu früh für das erste Glas Champagner des Tages. "Alles was Champagner umgibt, fasziniert mich ungemein: der Luxus, die Freude, die Internationalität, das Miteinander und die Geschichte. Wie oft ich darauf angesprochen werde, dass es doch sehr ungewöhnlich sei – ich als Frau eine Chef de Cave in einem Champagnerhaus. Aber warum? Schließlich bestimmen Frauen seit je her die Geschichte des Champagners."
Denn schon vor 200 Jahren waren es die Frauen – nicht die Männer – die Gefallen an den fein perlenden, cremigen Schaumweinen fanden. Namen wie Madame Pompadour und Marie Antoinette stehen für die Anfänge von Champagner. Und blicken wir auf das vergangene Jahrhundert zurück, dann waren es Frauen, die die Namen der heute weltberühmten Champagner-Dynastien formten und mit ihrem strategischen Geschäftssinn bekannt machten.
"Und bei Jacquart kann ich nun Teil sein, eine eigene Geschichte zu schreiben. Ist das nicht spannend!?" Die Geschichte Jacquarts ist noch verhältnismäßig jung. Sie beginnt im Jahr 1962, als sich einige visionäre Winzer genossenschaftlich zusammenschließen. Sie teilten die Leidenschaft für die Champagne und die Weinberge – und den Mut des Hochmuts, denn sie erhoben für sich den Anspruch "die gesamte Authentizität der Champagne zu offenbaren". Und sie schafften es – bis heute. "Der Stil von Jacquart ist geprägt vom Chardonnay und jünger, leichter und spritziger, als es manch andere Champagner sind. So etwas wie Luxus für den Alltag. Man muss nicht erst auf einen großen Anlass warten. Jeder Moment des Lebens verdient den Genuss einen feinen Perlage", meint Floriane und so langsam wird es dann wohl doch Zeit für ein Glas Jacquart Brut Mosaïque. Es ist 10.30 Uhr.
Viel Arbeit für das perfekte Ergebnis
Die Trauben der Jacquart Cuvées wachsen auf 2.400 Hektar eigener Weinberge. Beste Trauben, denn sie gedeihen auf zehn der insgesamt 17 Grand-Crus-Rebflächen der Champagne. "Das sind sieben Prozent des gesamten Champagner-Gebietes", betont die 33-Jährige. "Und am Ende 900 Weine, die wir alle testen, bewerten und für die Grundweine selektieren müssen. Dazu kommen dann noch die Reserveweine. Allein beim
Mosaïque vereinen sich auf diese Weise 120-150 Einzel-Weine. Aber wir brauchen diese enorme Zahl, um den Stil des Hauses Jahr für Jahr gewährleisten zu können."
"Und zum Glück bin ich ja nicht allein mit dieser Aufgabe." Insgesamt gibt es bei Jacquart vier Kellermeister, aber nur einen weiblichen. "Wir haben drei Weingüter und jedes hat seinen eigenen Kellermeister. Ich arbeite im Hauptsitz. Wenn es um die Cuvées geht, kommen die anderen zu mir. Dann diskutieren und probieren wir solange bis wir uns einig sind. Jede Cuvée ist ein Gemeinschaftswerk. Das ist sehr ungewöhnlich, aber das Ergebnis spricht für sich", erklärt die studierte Biochemikerin und Önologin. "Letztlich geht es auch nicht darum, sich durchzusetzen, sondern gemeinsam den Stil von Jacquart zu bewahren und zu formen. Genau das liebe ich an meiner Arbeit. In einem so jungen Unternehmen hat man noch die Freiheit für eigene Ideen und Dinge auszuprobieren."
Das zweite Glas Champagner kommt. Mittlerweile ist es nach elf. "Ach", seufzt Floriane. "Ich liebe diese feinen Perlen. Es gibt kaum etwas besseres." Ihre Karriere begann die junge Frau allerdings mit trockenen Weinen. "Im Weingarten und im Keller. Man sollte alles gesehen und gemacht haben. Du brauchst eine Basis." Auch in der Welt des Champagners ist Floriane Eznack kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2002 machte sie ein Praktikum bei Jacquart. Danach arbeitete sie bei Moët & Chandon und Veuve Cliquot. Aber als 2010 die Stelle bei Jacquart frei wurde, wusste sie: "Es ist Zeit nach Hause zu gehen."
Der Geschmack macht den Unterschied
Nach Hause? Das klingt sehr familiär. "Aber so ist es auch. Wir haben alle ein Ziel und wir lieben das Abenteuer Champagner. Das verbindet uns zu einer Art Jacquart-Familie. Jeder trägt zum Erfolg bei." Zu welchem Ziel? "Wir wollen nicht die
Nummer eins werden, aber ein Brand, das dem Konsumenten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet. Ein Produkt, dass man gerne mit Freunden und der Familie teilt. Und dessen Geschmack in einem positiven Sinn wiedererkennbar ist."
Die fünf Cuvées von Jacquart werden klar vom Chardonnay dominiert. Ein Aspekt, der einen großen Unterschied zu vielen anderen Champagnern, die meist vom Pinot Noir geprägt sind, macht. "Aber genau das macht unsere Weine frisch und gibt ihnen diese Leichtigkeit. Wir wollen keine Kraftbomben, die den Gaumen erschlagen, sondern Mineralität und Finesse. Jeder Schluck erzählt eine luftig-leichte, verführerische Geschichte."
Eine Geschichte, die 2012 Geburtstag feiert: Jacquart wird 50 Jahre alt. Bei einem Menschen ein Alter, in dem er durchaus beginnt, die Lorbeeren seiner harten Arbeit einzufahren und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Doch wenn man in das Gesicht der jungen Kellermeisterin blickt, dann weiß man: Die Geschichte von Jacquart hat gerade erst begonnen so richtig interessant zu werden. "Ich lebe einen realen Traum. Das ist ein unglaubliches Gefühl", lacht Floriane beschwingt und nimmt den letzten Schluck aus ihrem Glas.
KULINARIKER-Info: Im Jahr 2010 verkaufte Jacquart weltweit über drei Millionen Flaschen und erzielte dabei einen Umsatz von etwa 75 Millionen Euro. Etwa 60 Prozent der Produktion sind für den Export bestimmt, wobei mit Großbritanien, Deutschland, Belgien, Schweiz, USA und Japan die wichtigsten Exportmärkte beliefert werden.
http://www.champagne-jacquart.com/de
Fotos: msc, Jacquart





