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Männer – das ordentlichere Geschlecht

Aus Mainz berichtet Christian Schnohr
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In nur fünf Stunden bringt Sternekoch Frank Buchholz den Teilnehmern seines Männerkochkurses das Einmaleins der gehobenen Küche bei. Grund genug für den KULINARIKER, sich der kochenden Macho-Runde anzuschließen.

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Seit vielen Jahren teste ich Restaurants und schreibe Texte rund ums Essen und Trinken. Doch am eigenen Herd hört die Freundschaft zur Kulinarik auf. Genießen liegt mir näher als Kochen. Das soll sich jetzt ändern – mit professioneller Hilfe in Person von Sternekoch Frank Buchholz. Er betreibt sein Restaurant und die benachbarte Kochschule in Gonsenheim, einem beschaulichen Vorort der Landeshauptstadt Mainz. Auf seiner Homepage werde ich schnell fündig: Ein Männerkochkurs, geeignet für Anfänger und Hobby-Profis.

An einem Samstag um 10 Uhr morgens geht’s los: Elf Männer haben sich pünktlich eingefunden. Verschlafene, aber vorfreudige Gesichter mit hohen Erwartungen. Das alte Bauernhaus, das Buchholz in rekordverdächtigen sechs Monaten entkernt und restauriert hat, versprüht denselben Charme wie seine Speisekarte im Restaurant: Bodenständig, aber edel - mit mediterraner Prägung: Kalksteinmauern und Stahltreppe, weißes Ledersofa, Holzparkett. Eine alte Tür auf dem Boden führt zum Weinkeller, an der Wand hängt ein großes Portrait von Paul Bocuse. Auch der Chef ist bereits da und gibt bei einem Glas Prosecco – nun gut, wir sind emanzipiert – erste Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Gewohnt locker und mit Ruhrpott-Zungenschlag, wie man es vom TV-Koch auf der Mattscheibe gewohnt ist. Doch lange aufgehalten wird sich hier nicht: "Los, Männer. Wir haben viel vor."

Der Schnüffler bei der Arbeit

Kurz erklärt er die hohen Ziele für die nächsten Stunden: Drei Gänge dürfen die Teilnehmer selbst zubereiten, anrichten und natürlich auch verzehren. Der Nachtisch kommt aus dem Restaurant. "Das Geheimnis eines gelungenen Essens sind einfach hochwertige Zutaten", erklärt Frank, lüftet die Holzwolle und holt mehrere Périgord-Trüffel hervor. Das Geheimnis: hochwertige Zutaten"Fühlt mal die Konsistenz und riecht", sagt der Meister und macht es vor. Auch bei Steinchampignons, Rosenkohl oder der Roten Bete – Frank Buchholz schnüffelt genießerisch an jedem Produkt. Dabei gibt er ganz nebenbei wertvolle Tipps für den Einkauf. Genau wie die Teilnehmer höre ich gebannt zu, wie der Meister das Menü vorstellt. Wohlgemerkt, das Menü, das wir gleich selbst zaubern sollen: Zweierlei vom Rotlachs mit Büffel-Mozzarella, Kalbsbries-Ravioli mit Petersiliensauce und Trüffel sowie als Krönung Hirschrücken unter einer karamellisierten Walnuss-Pinien-Kruste auf Rote-Bete-Püree mit Steinchampignons und Rosenkohl. Klingt lecker -  und so weit entfernt von meinen heimischen Kochkünsten wie Bielefeld von New York.

Frank Buchholz zeigt zu jedem Gericht die richtigen Kniffe und Tricks. "Bevor der Dill nicht staubfein gehackt ist, lass ich Euch gar nicht erst weiter machen." Frank grinst, doch es wird auch klar, welcher Ton in einer Sterneküche herrschen muss. Dann teilt er seine Elf in drei Gruppen ein – für jeden Gang sind zwei bis vier Teilnehmer zuständig. Ich komme ins Vorspeisen-Team, zusammen mit drei anderen. Schon beim Häuten des Lachses wird klar: Vom Laien bis zum erfahrenen Messerschwinger – unser Team ist Vom Laien bis zum Messerschwingerbunt gemischt. Doch die Motivation und Konzentration ist überall dieselbe. Geredet wird wenig, jeder hat sein Ziel im Blick oder hilft dem langsameren Kollegen. Stutenbissigkeit gibt es unter Männern eben nicht. Und so wird gehäutet, gewürfelt, geschnitten und gelacht. Die Stimmung ist durchweg gut.

Eine Frau ist aber dann doch anwesend und entpuppt sich als gute Seele des Kochkurses. Denn die Angestellte von Frank Buchholz schenkt den Hobby-Köchen Wein und Wasser nach und spült benutzte Bretter oder Messer. Schließlich sollen sich die Männer ganz auf die filigrane Handarbeit konzentrieren. Hinter uns dampft, zischt und brutzeln die anderen Teilnehmer vor sich hin, die Nudelgruppe legt die Berührungsängste mit dem Kalbsbries schnell ab und produziert Ravioli am Fließband. Der Meister kontrolliert und hilft bei Fragen – unaufgeregt, immer mit einem lockeren Spruch und vollem Mund – denn  Frank schmeckt jede Zutat persönlich ab. Vor allem Salz und Olivenöl haben es ihm angetan. Schockierte Gesichter bei den Teilnehmern angesichts der Würzmengen des Chefs. Doch der Geschmack gibt ihm einfach Recht. Und auch unser Lachs-Tatar nimmt langsam Gestalt und Würze an.

Basilikum am Fließband

Da die Zeit schon vorangeschritten ist, müssen wir uns sputen. Schließlich wollen wir gleich essen, die harte Arbeit und die Vielzahl der betörenden Gerüche haben uns hungrig gemacht. Und so schnippeln wir im Akkord ein Bund Basilikum, verrühren es mit Schmand und etwas Limonensaft und geben es zum Schockfrosten. Schon geht’s ans Anrichten. Und man höre und staune: Wir Männer haben ein Händchen für die filigrane Arbeit. "Männer sind generell ordentlicher als Die ordentlichen Ravioli des MannesFrauen in der Küche", berichtet Frank aus seinem Erfahrungsschatz in Sachen Kochkurs. Ein letzter Dekospritzer, Röstzwiebeln auf den Mozzarella und fertig ist unser Meisterwerk.

Zum Essen gesellen sich noch zwei Ehefrauen dazu – denn das Menu für eine Begleitung kann extra gebucht werden. Sie sind angetan von unserem Werk. Uns bleibt jetzt endlich auch die Zeit, uns bei Wein und Essen auszutauschen. Die meisten haben den Kochkurs von Freunden oder der Partnerin geschenkt bekommen. "Wir haben uns vor zwei Jahren getrennt", erzählt mir eine der beiden Frauen am Tisch. Zum Glück hielt die Trennung nur ein halbes Jahr – und hatte auch Ihr Gutes: "Mein Mann hat in der Zeit das Kochen gelernt", sagt sie lächelnd, "und das soll jetzt auch so bleiben."

Es folgen die Ravioli und schließlich der Hauptgang. Frank Buchholz lässt es sich nicht nehmen, den Braten selbst in tellergerechte Stücke zu schneiden. Auch das Anrichten macht er jeweils einmal vor. Und dann folgt doch noch der ersehnte Machospruch: "Das sieht ja aus wie im sibirischen Männerpuff", quittiert er einen nicht perfekt dekorierten Teller. Die Männer grinsen, Frank auch. Der Hirsch ist – wen wundert’s – auf den Punkt gebraten und schmeckt fantastisch.

Nach fünf Stunden lehnen wir uns zurück - satt, zufrieden und stolz. Als Zugabe bekommen wir die Original-Schürze mit Buchholz-Logo und die CD mit allen Rezepten zum Nachkochen. Für ein Gläschen Wein und einen Espresso setzt sich der Sternekoch noch zu uns. Parallel verköstigt er in Rekordtempo eine neue Kreation seines Küchenteams. Schließlich ist das Restaurant "Buchholz" heute Abend ausgebucht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.frank-buchholz.de.

Fotos: csc

 

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