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| Verführung im Quadrat |
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Flink schiebt sie sich mit ihren schmalen Fingern ein Stück des Schwarzbrot-Schokoladen-Gugelhupfs in den Mund, schließt für einen kurzen Moment genüsslich die Augen und versinkt in einer anderen Welt. Entspannung zeichnet sich in ihren Gesichtszügen ab. Dann öffnet sie ihre stahlblauen Augen wieder. Immer noch liegt ein verträumter Schatten in ihnen.
Sie bemerkt, dass sie beobachtet wird und fühlt sich ertappt: "Eigentlich bin ich gar keine so Süße. Ich mag es, aber ich brauche es nicht unbedingt", sagt Franzi Schweiger. Doch die Welt der süßen Verlockungen ist die Leidenschaft und das Reich der Chef-Patissière, in das sie ihre Gäste allabendlich entführt. Zusammen mit ihrem Mann, Sternekoch Andreas Schweiger, leitet sie das Schweiger² in München. Hier werden süße Träume wahr.
"Da habe ich mich so richtig ausgelebt. Es ist schon fast kitschig, aber lieb", sagt Franzi Schweiger stolz und zwinkert kokett. Die Variationen von der Schokolade sind wahrlich ein Meisterwerk der hohen Kunst der Patisserie. "Dafür habe ich vier Stunden gebraucht, wenn nicht mehr. Von den Schokoladenblättern bis die Mousse angesetzt und dann alles fertig ist – das sind mehr als 300 verschiedene Handgriffe."
Aber 300 Handgriffe, die sich gelohnt haben. Schokoladentäfelchen teilen den Teller in ein Schachbrett aus kleinen Genussmomenten: Feine Törtchen mit Creme und Beeren gefüllt, ein Shake aus Vanille und Schokolade und das aufwendige After Eight-Eis, dass aus einem Fond aus Sahne, Milch, Eiern und Zucker besteht, der nach dem Abkühlen mit frischer Minze aromatisiert wurde. "Die kommt aus dem Garten meiner Oma, ganz frisch. Ebenso die Beeren und die essbaren Blüten, mit denen ich arbeite", wirft die 28-Jährige schnell ein und setzt mit ruhiger Hand noch das letzte Detail auf das Schach-Dessert.
"Ein Sprung ins kalte Wasser"
Ein halbflüssiger Mini-Schokoladen-Gugelhupf mit Schwarzbrot. "Den hab ich besonders gern – und auch mein Mann Andi", lässt sie prompt in ihrem charmant angehauchten Bayerisch verlauten. Für Franziska Schweiger war schon immer klar, dass sie einen kreativen Beruf ergreifen würde. Lampen-Designerin, Architektin, Goldschmiedin oder Malerin. Doch mit dem Beginn ihrer Ausbildung in der Traditionskonditorei Kargerer im oberbayrischen Rosenheim legte sie sich auf die Welt der süßen Verlockungen fest. Sie lernte Pralinen zu machen, Torten zu backen und eben all jene Handgriffe, die heute die Grundlage ihrer Patisserie sind. Mit dem Ende der Ausbildung zog es sie in das eine Stunde entfernte München. "Zuerst fuhr ich morgens mit dem ersten Zug in die Stadt und mit einem der letzten wieder raus." Tagsüber arbeitete sie in der Confiserie Richter.
"Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich wurde beim Vorstellungsgespräch nur gefragt, ob ich temperieren kann. Klar konnte ich das", erinnert sie sich. Doch, dass sie im folgenden Jahr mehrere Tonnen Schokolade in allen Varianten temperieren und zu Tafeln verarbeiten würde, hatte sie sich in diesem Moment nicht gedacht. "Aber es war eine gute Schule." Dennoch wechselte sie 2003 in die Gastronomie und begann im Drehrestaurant des Olympiaturms als Gardemanager und Patissière.
"Vom Karottenschälen bis zu den Desserts – eine super Chance." Die nächste Station auf der Karriereleiter sollte Franzis Leben jedoch komplett verändern. "Ich bewarb mich in Holger Strombergs 'G' und rief dort einfach wegen einem Vorstellungsgespräch an", erzählt sie und beginnt beim Gedanken an das, was folgt, zu grinsen. Sie hatte den Küchenchef am Telefon – Andreas Schweiger. "Ich fragte ihn, wann er denn für mich Zeit hätte Und er antwortete knapp: "In einer halben Stunde!" Das war voll verrückt", meint Franzi lachend, "aber anstatt auszuflippen, weil ich mich nicht vorbereiten konnte, bin ich nur schnell ins Internet und hab ihn mir angeschaut. Ich fand ihn total süß, hab meine Mutter angerufen und dann saßen wir beide vor dem PC und haben in angeschmachtet."



Wenn man nur mehr Zeit hätte. Beispielsweise könnte dann der Frage
nachgegangen werden, ob ein Zusammenhang zwischen ökonomischer und
kulinarischer Entwicklung bestünde. Eine Frage in diesem Kontext könnte dann
sein, ob in schlechten Zeiten - was vordergründig logisch erscheint - weniger
auf den Tisch kommt und in guten eben deutlich mehr. Das Gegenteil scheint
jedoch der Fall zu sein. Ein nur oberflächlich durchgeführter Vergleich von
Wirtschaftsentwicklung anhand von Wachstumskennzahlen und Food-Fotografien der
Vergleichszeiträume zeigt, dass gerade in Boom-Zeiten die präsentierten
Gerichte deutlich reduzierter ausfallen (Ausnahme: die 50er Jahre, in denen
nach kriegsbedingtem Darben kräftig zugelangt wurde) und kubistisches
Schnitzwerk die Berge von Nahrung verdrängt. Das mag an der Zielgruppe liegen,
die sich längst qua ererbten oder erarbeiteten Grundvermögen abgekoppelt hat
von ökonomischen Entwicklungen und einfach nur gerne gut isst. Reine
Spekulation, keine Erklärung. Auch geht es in postindustriellen Zeiten um
deutlich mehr denn die simple Nahrungszufuhr - es darf halt auch in der Küche
das moderne Design der Standard-Einrichtungshäuser nicht fehlen. Zudem ist das
Streben nach Profitmaximierung schon längst bei den Köchen angekommen. Die
einfache Gleichung: Weniger auf dem Teller heißt mehr in der Kasse. Hübsch
angerichtet und verpackt, fällt uns das nicht sonderlich auf. Vielleicht ist
es aber auch nur ein Zeichen von Zeitmangel. Reduktion, schneller Konsum, acht
Gänge in einer Stunde, Mund abputzen und dann wieder raus in die Welt und
Mehrwert schaffen. Ist deshalb das japanische Fast Food Sushi so beliebt?
Werden deshalb Pitbull-Weine mit 14,5 Volumenprozent gelupft? Ach, wenn man
nur mehr Zeit hätte,
meint DER KULINARIKER.
Nicolas Géant, Imker: Die Schädlingsbekämpfungsmittel sind eine wichtige Ursache für das
Bienensterben. Foto: Stephan Gabriel

