Es tut sich etwas in der vermeintlich so verschlafenen Schweizer Bundeshauptstadt. Ein frischer Wind weht durch die Altstadtgassen Berns, sowohl kulinarisch als auch in der Hotellerie.
Und dank der kleinen Schweizer Airline SkyWork können Besucher die Stadt aus vielen europäischen Metropolen nun auch direkt anfliegen. Die gastfreundlichen Berner freut es. Der Legende nach war es ein von Herzog Berchtold V. von Zähringen erlegtes Tier, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Vor rund 800 Jahren beschloss der adelige Stadtgründer, den Ort nach seiner ersten Jagdtrophäe in der näheren Umgebung zu benennen – unschwer zu erraten war diese ein Bär.
Seit dem 15. Jahrhundert beherbergte die Stadt verschiedene Bärengräben, im Jahr 2009 wurde dem Berner Wappentier ein 6000 Quadratmeter großes Gehege am Aarenhang gewidmet, das sich in kürzester Zeit zu einem absoluten Besuchsmagnet entwickelt hat. Die Historie ist allgegenwärtig in der Altstadt Berns, die seit 1983 zum UNESCO-Welterbe gehört. Das Stadtbild hat sich seit dem großen Brand von 1405, als die überwiegend aus Holz errichteten Häuser fast allesamt abbrannten und die Stadt aus Sandstein wiedererrichtet wurde, nur wenig verändert. Dem Wiederaufbau verdankt die Stadt auch eines seiner bekanntesten Merkmale – die insgesamt sechs Kilometer langen Arkaden, unter denen es sich auch bei Wind und Wetter exzellent flanieren lässt.
Die Rückkehr einer Legende
Unter einer dieser Arkaden befindet sich auch der Eingang des legendären Hotels Schweizerhof. 150 Jahre reicht die Tradition dieses Hauses zurück, große Persönlichkeiten wie Peter Ustinov, Grace Kelly oder Albert Schweitzer gingen hier ein und aus. Nach einer zweijährigen Umbauzeit öffnete das Hotel im Juni 2011 erneut seine Pforten und erstrahlt seitdem in neuem Glanz. Eine Investorengruppe aus Katar steckte über 50 Millionen Franken in den Komplettumbau, bei dem das Gebäude teilweise entkernt und die Fassade vollständig restauriert wurde.
99 Zimmer und Suiten stehen nun zur Verfügung, alle stilvoll eingerichtet und 5-Sterne-gerecht mit allem technischen Komfort versehen. Die Mitgliedschaft des Schweizerhof in der Hotelkollektion "Design Hotels" dokumentiert das Bestreben von Hotelchef Michael Thomann, den vielzitierten Zeitgeist in den Vordergrund zu rücken.
Die Lobby mit Bar und Cigar Lounge ist zu jeder Tageszeit gut gefüllt - auch viele Einheimische, die keine Hotelgäste sind, zieht es hierhin. Man trifft sich privat oder fädelt das eine oder andere lukrative Geschäfte in ungezwungener Atmosphäre ein. Schon immer eine Institution in Sachen Kulinarik war das Hotelrestaurant Jack's Brasserie. Nun unter der Ägide von F&B Manager Georges Akes, wird hier die klassische Pariser Brasserie-Küche im typischen Fin-de-Siècle-Ambiente gepflegt. Eine willkommene Abwechslung zu den sonst oft so steifen Hotelrestaurants der "Marke Tischfein". Hier erntet man keine bösen Blicke, wenn die Unterhaltung bei Bouillabaisse, Lammcarré und einer Mousse au Chocolat zum Niederknien mal etwas lauter ausfällt.
Symbiose von Kunst und Kulinarik
Westlich der Altstadt am Berner Ostring befindet sich das Zentrum Paul Klee. Der futuristische Bau von Stararchitekt Renzo Piano beherbergt mit 4000 Werken die bedeutendste Sammlung des berühmten Malers, die in wechselnden
Ausstellungen mit verschiedenen Schwerpunkten gezeigt werden. Gleich nebenan betreibt der weitgereiste Küchenchef Werner Rothen das Restaurant Schöngrün. Nach mehreren Stationen in der Schweiz und 14 Auslandsjahren in Südafrika, Kalifornien und Portugal, kehrte der sympathische Schweizer 2005 in seine Heimatstadt zurück und kombinierte fortan in seinem Restaurant gekonnt die kulinarischen Einflüsse aus den bereisten Ländern. Ein Michelin-Stern und 17 Punkte im Gault Millau stehen auf seiner Visitenkarte und das völlig zurecht. Frisch und modern präsentieren sich die Gerichte in den luftigen Räumlichkeiten mit bodenbündigen Fenstern. Zu Hirschrücken, Bison und Steinbutt gesellen sich fruchtige Noten von Grapefruit, Blutorange und Birne. Auf der gut sortierten Weinkarte finden sich exquisite Schweizer Tropfen ebenso wie französische und italienische Klassiker sowie einige Juwelen aus der Neuen Welt.
Beers from Heaven
Zurück am Bärenpark, an dem sich die Aare um die Berner Altstadt schlängelt, hat sich Thomas Baumann seinen Traum erfüllt. In den Hallen eines ehemaligen Tramdepots eröffnete er vor zwölf Jahren ein Restaurant mit eigener
Hausbrauerei. Frei von den verstaubten Vorschriften des deutschen Reinheitsgebots werden hier neben den Stammsorten Helles, Märzen und Weizen je nach Jahreszeit Saisonbiere gebraut – Indian Pale Ale, Schoko Porter oder Wacholderbier, um nur einige zu nennen. Bevor man aber zu viel Ober- und Untergäriges auf leeren Magen trinkt, sollte man einen Blick in die variantenreiche Speisekarte werfen. Schweizer Spezialitäten, Wok-Gerichte oder eine einfache Brotzeit passen gut zu den verschiedenen Biersorten. Sehr zu empfehlen ist das Rindstatar sowie Kalbsgeschnetzeltes mit hausgemachten Rösti.
Selig schlendert man anschließend zurück durch die Altstadt, vorbei am Berner Münster und dem Zeitglockenturm, und lässt den Abend bei einem Digestif in einer der zahlreichen Bars unter den Arkaden ausklingen. Vielleicht ereilt einen ja ein ebenso genialer Geistesblitz wie dereinst Albert Einstein, der 1905 in der Kramgasse 49 seine spezielle Relativitätstheorie zu Papier brachte.
Hotel Schweizerhof Bern:
Weitere Informationen finden Sie unter www.flyskywork.com, www.schweizerhof-bern.ch, www.paulkleezentrum.ch, www.restaurant-schoengruen.ch, www.baerenpark-bern.ch und www.altestramdepot.ch.
Fotos: pmo, Schweizerhof, Altes Tramdepot



