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M.B: Luvat edere.

Von Teneriffa berichtet Michael Schabacker
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Vom Flughafen Teneriffa Süd fahren wir 20 Minuten in den Süd-Westen der Insel. Links und rechts karge Landschaften und Gewächshäuser, prall gefüllt mit Bananenpflanzen. Vorbei an kleinen Ortschaften und das offene Meer begleitend, erscheint einige Kilometer später in der Ferne ein maurisch anmutender Komplex am Horizont.

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Landesuntypisch erstrahlt hummerrot das Abama Golf & Spa Resort vor uns. Ähnlich einer Fata Morgana nimmt das Resort mit der Näherung wachsende Dimensionen an, ehe es in voller Pracht vor uns, fast anmutig manifestiert als marokkanischer Festungskomplex, steht, uns einlädt und schon vereinnahmt. Das Eingangsportal durchquerend, empfängt uns imposant und mehr als großzügig das Foyer nebst Rezeption. Geschätzte zehn Meter Deckenhöhe werden erleuchtet durch gigantische Kronenleuchter, ausstaffiert ist die Halle mit diversen stilvollen Sitzmöglichkeiten. Die Klimaanlage sorgt für angenehme Temperaturen, die Hitze der sonst so kargen Vulkaninsel ist im Nu vergessen.

Oase mit Architektur-Akzenten

Mit der Kühle kommt die Klarheit. Klarheit darüber, dass wir jetzt endlich an einem Ort sind, der uns die nächsten Tage in seinen Bann ziehen wird. Der Page bringt uns auf unsere Suite. Kurz die Koffer im begehbaren Kleiderschrank verstaut und den ersten Blick über die grüne Oase schweifen lassen. Traumhafte Gartenanlage am AbamaOcean view inklusive erstreckt sich vor uns die Manifestierung eines Pflanzen-Irrgartens. Ist die Insel im Süden doch sonst so karg, erscheinen einem hier die Blicke gefesselt in eine blumenbebilderte Ruhe, nebst der sanften Klänge eines Wasserfalles, welcher in unmittelbarer Nähe für die audiovisuelle Begleitung sorgt.

Das King-Size Bett der großzügigen Suite lädt ein zu verweilen, seine geschätzt 30 Zentimeter hohe Matratze lockt, doch der Drang das Gebäude zu erkunden siegt. Mit einem Plan des Gebäudes bewaffnet - notwendig wie sich herausstellen sollte - verschlingen uns die Gänge, gleich einer Burg, deren innere Wege stets das Ungewisse offenbaren. Das Abama wirkt fast mystisch, offeriert jedoch stets durch stilvolle Architektur-Akzente einen Pol für die suchenden Augen. Ebendiese werden, nicht zuletzt durch einen in der Hotelanlage angelegten Koi-Teich, gereizt, ehe der Blick weit über das Dach auf das offene Meer hinaus, welches erreichbar durch einen am Hotel vorbeiführenden Weg ist, verweilt.

M.B - koloniale Eleganz und Verantwortung

Doch DER KULINARIKER wäre nicht DER KULINARIKER, hielte er sich nicht an seine oberste Prämisse, welche ist und bleibt: Kulinarik auf Herz und Niere testen. Das im Hotel mit atemberaubender Aussicht eingebundene M.B-Restaurant ist die erste Anlaufadresse dafür, und mehr als "nur" ein Restaurant – es ist auch der einzige Das M.B: Stilvoll Elegantsterndekorierte Speisetempel der gesamten Kanarischen Inseln. Bekanntermaßen ist Martin Berasatequi – Drei-Sterne-Koch aus San Sebastian – Namens-Patron des Schlemmerpalastes.

Mit dem Betreten des M.B offenbart sich ein Raum voller Ruhe und kolonial ausgeglichener Eleganz. Stilvoll findet – dominant und dennoch unaufdringlich – erdfarbengeprägtes Interieur seine Bestimmung. Die Tische großzügig angeordnet, erfahren die Gäste sanfte Luftbeströmung durch vier große an der Decke befindliche dezent langsam arbeitende Ventilatoren. Die bequemen Sitzmöbel in schwarz-weiß laden ein: Platz genommen.

Champagner und Austern

Die Entscheidung fällt nach Studie der Karte auf das Frühlingsmenü 2011 und somit auf neun Speisen-Gänge. Kaum sind die ersten beiden Gläser Champagner den Gaumen hinabgeflossen, erreicht uns ein Flusskrebs-Carpaccio. Mit vollendeter Perfektion ist dies der Einstieg in ein – so viel sei schon jetzt verraten – exzellentes Menü. In Kombination mit Ananas und Shiso werden süße als auch minzige Noten kreiert, welche durch die Zugabe von Expelete zusätzlich eine pfeffrige Nuance erfahren. Der zweite Gang wird durch eine Rote Garnele eröffnet, welche durch einen säuredominierten classis besticht. Die Kombination - das Konzentrat eines Apfels und das einer Limetten-Eiscreme - harmoniert unbeschreiblich.

Und was darf nicht fehlen bei einem Besuch eines Restaurants auf einer Insel? Richtig, eine Ostreidae.Ostreidae auf Eis (Kabuki) Genauer: die kulinarische Auster. Auch wenn die Volksrepublik China mit weit über 70 Prozent den größten Weltmarktanteil in der Austernproduktion hält, ist hier eher anzunehmen das Frankreich (der relativen Nähe wegen) als Europas wichtigster Produzent Vater der vor mir befindlichen Auster war. Fein abgestimmt mit Kresse und Ruccola-Essenz mundet die Meeresfrucht sehr, abgerundet wurde diese durch eine Zitronen-Gras-Creme.

Das folgende feine Risotto in kugeliger Trilogie mit rohen Fenchelperlen und Fenchelschaum, bildet das Gang-Entrée für einen "Klassiker": Foie Gras. Aber zum Glück mal etwas anders. Wird stimmgewaltig mit der Schwere einer festen Leber oder eines Schaumes an anderer Stelle gearbeitet, erreicht uns hier mit dem fünften Gang eine Artischocken-Cremesuppe mit Foie Gras. Hervorragend: feines Orangenaroma, flankiert von einem Hauch Trüffelöl. Als Leckerbissen und Krone wurde mit Chips von Artischocken gearbeitet.

Superlative auf dem Teller

Und dann zwei Gänge der Superlative. Stillgestanden und im Geiste mitgegessen. Serviert wird zunächst eine Rotbarbe mit Gurkenperlen an geräucherter Brühe. Nicht spektakulär denken Sie? Weit gefehlt. Stichwort(e): essbare Schuppen. Der Küchenchef Erlantz Gorostiza hat sich hier selbst übertroffen. Der Geschmack dieser Rotbarbe war nicht nur superb, sondern war technisch alles andere als leicht kreiert.Chefkoch Erlantz Gerostiza Die Schuppen kamen einem fast wie kleine Chips vor, welche den saftigen Fisch zart beschützten. Der Produktions-Prozess erfolgt hier an der absolut frischen Barbe, dabei werden zunächst die Schuppen gegen den Strich "gebürstet". Als nächstes wird der Fisch gekühlt, mit heißem Öl übergossen und im Ofen gegart. Prädikat: Extra-Klasse.

Hinter dieser Rotbarbe braucht sich aber der folgende Gang nicht verstecken! Gereicht wird Konfitiertes Spanferkel. Selten sah und aß ich ein solch zartes und feines Fleisch vom pork. Das lag sicherlich daran, dass beim Konfitieren (Anm.: kochen/garen in Öl) eine wesentlich geringere Temperatur als beim Frittieren verwand wird. Diese schonende und zeitaufwändige Garweise zahlt sich jedoch absolut aus.  Eine feine Marmelade aus Apfel und Fenchel wurde dazu gereicht, die tolle Kruste schmeckte wahrhaftig einzigartig in der Kombination mit einer bitteren Zitronencreme. Der Finalität entkommt man nicht - und das in allen Lebenslagen. So leider auch im M.B-Restaurant. Ein Limetensorbet mit geeistem Wacholder und feinen Mandelsplittern bereitete uns sanft auf den Ausklang des Abends vor, ehe eine Kaffee-Eiscreme im Duett mit Haselnusscreme und Schokolade den süßen Abschied einläutete. Es gilt festzuhalten: Luvat edere – Essen macht Spaß.

Fazit:
Das M.B ist ein Must-Have, besucht man die Kanarische Insel Teneriffa. Die Küchenkünste des Chefkochs Erlantz Gerostiza sind wirklich hervorragend. In enger Absprache erfolgt die Produktion der Menüs mit Martin Berasatequi. Viermal im Jahr wird ein Menü angeboten – jeweils den Jahreszeiten angepasst. Preis pro Person: rund 85 bis 110 Euro, exklusive Getränke.

KULINARIKER-Tipp:
Unter deutscher Leitung des General Managers Carsten Fritz ist das Abama Golf & Spa Resort mehr als nur eine Reise wert. So vielschichtig wie das Essen, so abwechslungsreich lassen sich in diesem Resort die Tage verbringen.Wundervoller Privatstrand Ein zum Abama gehörender Privatstrand lädt ein am Meer zu verweilen. Snacks sind an der Bar am Strand zu bekommen – ein einmaliger Ausblick auf das offene Meer inklusive.

Der am Resort angegliederte 18-Loch-Golfplatz bietet diverse Schwierigkeitsgrade und die Möglichkeit sich zu beweisen. Fast dreihundert Höhenmeter trennen das "höchste" vom "untersten" Loch. Der von Dave Thomas konzipierte Platz besticht durch eine einmalige Aussicht. Tipp: Fotos machen beim Abschlag von der 10!

Der 2.500 Quadratmeter große Spa-Bereich befindet sich an der Südseite des Gebäudes. Noch ein Tipp: ab in die Schnee-Kammer. Und danach in den Außenbereich und aufwärmen.

Neben dem M.B befinden sich noch drei weitere Restaurants auf dem Gelände. Besonders hervorzuheben ist das Kabuki. Der Name ist hergeleitet vom japanischen Kabuki-Theater des 17. Jahrhunderts. Zu empfehlen ist das 'Menü Kabuki': Spezial-Menü mit den besten Produkten des Tages und Dessert (ab zwei Personen). Ab 100 Euro pro Person exklusive Getränke.

Weitere Infos: www.abamahotelresort.com

Fotos: msc

 

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