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Back Speisen Kategorie: Aufgetischt Feinschmeckerparadies im Herzen des toskanischen Archipels

Feinschmeckerparadies im Herzen des toskanischen Archipels

Von Elba berichtet Dr. Thomas Hauer
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Elba? Kennt doch jeder! Da war doch irgendwann mal dieser Napoleon im Exil. Trotzdem steht die maritime Perle in den azurblauern Gewässern des größten Naturschutzgebiets Europas touristisch seit jeher im Schatten seiner großen südlichen Schwestern Korsika und Sardinien. Zu Unrecht.

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Denn Ferien auf dem pittoresken Eiland sind nicht nur deutlich günstiger als in den benachbarten High Society Hotspots; Elba bietet auch kulinarisch zahllose Highlights, die eine Stippvisite in dem noch weitgehend unberührten Naturparadies mit mehr als 150 Stränden zu einem einmaligen Erlebnis machen.

In den Sommermonaten von Mai bis September ist Elba von München und Friedrichshafen sowie von Zürich mit Intersky – der einzigen Liniengesellschaft, die Elba von Deutschland aus anfliegt – bequem per Flugzeug zu erreichen. Von Düsseldorf, Hamburg und Berlin gibt es eine Umsteigeverbindung über Friedrichshafen. Ansonsten muss man die Fähre von Piombino aus nehmen. Der kleine Airport unweit von La Pila liegt im Zentrum der Insel. Schon der Anflug über die schroffen Berge oder das  Meer ist ein Erlebnis. Von hier sind die touristisch erschlossenen Areale im Osten, Norden und Süden der Insel ebenso gut per Mietwagen anzusteuern wie die noch sehr ursprüngliche Westküste – Ziel unserer Reise und gerade im Frühjahr und Herbst ein Wanderparadies par excellence!

Unser Fahrer Angelo, der nur im Sommer am Steuer sitzt und im Winter seine Brötchen als Fischer verdient, bringt uns in rund 30 Minuten entlang der dramatisch schönen Küstenstrasse, die mehrmals weit die steil abfallenden, dicht bewaldeten Berghänge hinaufführt um wieder in Richtung Meer abzufallen, in das idyllische Dörfchen Sant´Andrea. Das liegt am Fuße des mächtigen Monte Capanne – ein bis zu 1018 Meter hohes Granitmassiv. Dabei öffnen sich immer wieder herrliche Ausblicke auf die wildzerklüftete Küstenlinie und das in unzähligen Blau- und Grüntönen schillernde Wasser.

Paradies für Taucher und Schnorchler

In Sant´Andrea liegt unser Domizil für ein verlängertes Wochenende: das kleine Boutique Hotel Ilio, das nur einen Steinwurf von einer malerischen Felsbucht entfernt inmitten einer blühenden Gartenlandschaft liegt. Diese Region wird von den Einheimischen auch "die kleine Insel auf der Insel" genannt – denn auf Grund seiner exponierten Lage und strategischen Bedeutung wurde diese Gegend bereits von den Phöniziern und Etruskern besiedelt. Rund 3000 Jahre später, genauer im Jahr 1959 eröffnete die Familie Testa hier eine kleine Gastwirtschaft aus der im Lauf der Jahre einer Art "albergo diffuso" entstand, bei der sich die insgesamt nur 20 Zimmer auf mehrere Die Gewässer vor Elba gelten als die klarsten und saubersten im gesamten MittelmeerraumGebäude verteilen und die alle eine sehr individuelle Handschrift tragen. Nach umfangreicher Renovierung unter Ägide des heutigen Inhabers Maurizio Testa, der nicht nur leidenschaftlicher Hotelier, sondern auch ein renommierter Dozent für Tourismus- und Marketingfragen ist, entstand so in den letzten Jahren eines der trendigsten Hotels der Insel.

Übrigens gelten die Gewässer vor Elba als die klarsten und saubersten im gesamten Mittelmeerraum – ein Paradies für Taucher und Schnorchler und die Erklärung für die fantastische Qualität der hier gefangenen Fische und Meeresfrüchte. Denn wir haben das Ilio nicht nur wegen der schicken Zimmer gewählt, sondern im hoteleigenen Restaurant steht mit Giancarlo Pollidini auch einer der talentiertesten Küchenchefs des Eilands am Herd. In den Genuss seiner kreativen Inselküche im Restaurant HI kommen allerdings ausschließlich Hotelgäste.

Seine Zutaten findet der Küchenchef nicht nur in den Gewässern vor der Insel oder in den dichten Wäldern Elbas, in denen unzählige Wildtiere wie Wildscheine, Kaninchen und Mufflons leben. Gleich vor der Haustüre hat Giancarlo außerdem einen großen Kräuter-, Gemüse- und Obstgarten, in dem der experimentierfreudige Aromenmagier stets die frischesten und reifsten Zutaten auswählen kann. Auch die Gäste dürfen sich bedienen und einige der fantastischen Elbazitronen pflücken, unter deren Gewicht die Zitronenbäume fast zusammenbrechen. Pollidini kocht daraus eine köstliche Zitronenmarmelade und Maurizios Mutter bereitet aus dem Saft einen formidablen Limocello zu, den man nach einem üppigen Menü am besten eisgekühlt auf der Terrasse des Ilio genießt. Dabei kann man mit ein wenig Glück eine ganze Armee von Glühwürmchen bestaunen, die den benachbarten Garten mit einem sanften Blitzlichtgewitter erhellen.

Am ersten Abend verwöhnt uns die Küche nach einer Vorspeisenvariation aus Pulpo, Spada und geräuchertem Thun mit hausgemachten Tagliolini in einer sämigen Markelensauce und Petersiliencreme. Darauf folgt Tonnarello – ein kleiner Thunfisch – der auf elbanische Art mit Tomaten, Kapern und Oliven zubereitet wird. Diese inseltypischen Speisen überzeugen nicht nur geschmacklich, sondern sind auch ausgesprochen apart arrangiert, ohne dass die Teller gekünstelt wirken. Zu guter letzt folgt ein Parfait von Kastanienhonig und Mohn.

Die Weine der Insel

Kastanien stehen auf Elbe übrigens ohnehin hoch im Kurs: man braut aus ihnen schmackhaftes Bier, bereitet daraus diverse Brotaufstriche und Dipps oder genießt sie als süßlich-pikante Beigabe zu Fleischgerichten aller Art. Im Herbst ist die Insel überdies Schauplatz eines bekannten Kastanienfestivals. Neben einer hervorragenden Küche liegt Maurizio Testa aber auch die elbanische Weinkultur am Herzen – seine rund 80 Positionen starke Weinkarte bietet ausschließlich Gewächse von der Insel. Daneben aber auch eine sehr gute Auswahl an hochwertigen Toskanern vom Festland. Zwar besitzen die Weine von Elba, bis auf wenige Ausnahmen, nur wenig Tiefgang und kaum Lagerpotential, aber die frischen Weißen, Bier der lokalen Brauerei Birrafruchtbetonten Roten und Rosés sind der ideale Begleiter zur herzhaften Inselküche. Aber auch in Sachen Bier war der Hotelier nicht untätig: er hat von der lokalen Brauerei Birra del´Elba unter seinem eigenen HI-Etikett ein malzwürziges Spezialbier brauen lassen, dass es nur bei ihm gibt.

Natürlich kommt neben der authentischen Inselküche auch kaum ein Besucher Elbas an Napoleon vorbei. Und wenn 2014 das große 200jährige Exil-Jubiläum ansteht, wird es – zumindest vorübergehend – mit der idyllischen Ruhe vorbei sein. Ein Grund mehr, die Insel noch vor diesem Datum zu besuchen. Unser erster Weg führt uns daher zum sehenswerten Napoleonmuseum nach San Martino, der ehemaligen Sommerresidenz des Kaisers, wo Besucher viel Wissenswertes über die Beziehung des Feldherrn zur Insel Elba und seiner Bewohner zu ihrem Herrscher erfahren können.

Natürlich macht so ein faktengespickter Museumsbesuch ganz schön hungrig und wir haben deshalb vorsorglich auf der Aussichtsterrasse des Restaurants Da Giacomino in Viticcio, von wo man in die wunderbare Bucht des Golfo di Viticcio blickt, bereits ein Tisch reserviert. Das Haus ist bekannt für seine maritimen Spezialitäten und so genießen wir Pulpocarpaccio, butterzartgeschmorten Sepia mit Tinte und Zwiebeln, eine Tagliata vom Thunfisch, aber vor allem Spaghetti Margherita. Die Hauptzutat dieser vielleicht wichtigsten elbanischen Pastaspezialität ist die Meeresspinne (Spider-Crab). Geschmort mit ein wenig Knoblauch, Zwiebeln und Tomaten entwickelt sie ein wesentlich intensiveres Aroma als Hummer und Langusten, was für den zugegebenermaßen reichlich gewöhnungsbedürftigen Look dieser Meereskreatur – nomen ist auch hier omen – entschädigt.

Anschließend setzen wir unsere Inseltour mit einem Besuch der sehenswerten Inselhauptstadt Portoferraio fort und erklimmen die trutzige Medici-Festung aus dem 15. Jahrhundert. Innerhalb dieser Mauern, die bis zum zweiten Weltkrieg niemals erobert werden konnten und einst die gesamte Stadt umschlossen, befand sich eine weitere Residenz Napoleon, heute ebenfalls Museum. Allerdings ist das Haus aufgrund umfassender Renovierungsarbeiten im Zuge des bevorstehenden Jubiläums aktuell nicht zugänglich.

Feurige Diavolo und Pizza mit Steinpilzen

Doch in Portoferraia wartet noch ein weiteres Highlight auf die Besucher: die bekannte Cashmere-Manufaktur von Marina Sala. Die empfängt uns persönlich in ihrem exklusiven Atelier, wo aus feinstem Ziegenhaar edelste Kleidungsstücke und stilvolle Accessoires entstehen. Wie wäre es z.B. mit Ohrringen, einer Halskette oder einem federgeschmückten Operntäschchen aus der wertvollen Naturfaser als Souvenir? Keine Angst, auch Herren werden hier fündig. Und da es am Abend auf der Insel mit aufkommendem Wind selbst im Sommer recht kühl werden kann, wirkt so ein luftig gestrickter Cashmereschal wahre Wunder.

Doch zurück zum Wein. Denn wir wollen noch einen Abstecher zur biodynamisch arbeitenden  Cantina Cecilia machen, eines von Elbas besten Weingütern, wo wir einiges über die elbanische Weinkultur erfahren. Weinbau wird auf der Insel nämlich schon seit mehr als 3000 Jahren betrieben. Die wichtigsten D.O.C. Weine sind der Elba Bianco (Procanico – lokale Bezeichnung für die Orvieto Rebe, teilweise auch Trebbiano) und Elba Rosso Elba steht auch für kulinarische Entdeckungen(meist Sangioveto lokal für Sangiovese) sowie die schweren, vollsüßen likörartigen Passito-Dessertweine Aleatico, Moscato und Ansonico, die teilweise aber auch trocken ausgebaut werden.

Noch zu Napoleons Zeiten und bis ins 20. Jahrhundert bedeckten rund 30 Millionen (!) Weinstöcke mehr als 3000 Hektar der Insel. Heute sind davon noch rund 400 Hektar übrig, von denen die Cantina Cecila rund zehn Hektar bestellt. Neben den klassischen D.O.C.-Weinen produziert Cecilia auch kleine Mengen zweier I.G.T.-Weine auf Basis von Syrah, der im Barrique ausgebaut wird bzw. in Stahltanks lagerndem Vermentino. Obwohl beide Rebsorten bei der Cantina Cecilia erst seit 1998 bzw. 2000 angebaut werden, zeigen die Weine schon heute ein großes Potenzial, auch wenn der Syrah ein wenig arg holzlastig wirkt. Entlang der Strade del Vino Costa degli Etruschi können Weinenthusiasten aber noch zahlreiche weitere spannende Entdeckungen machen.

Am Abend steht als kulinarischer Abschluss noch der Besuch einer der besten Pizzerias der Insel unweit des Hafens von Marciana Marina auf dem Programm: das After Love. Zu den knusprigen, perfekt gebackenen Teigfladen, die nur mit besten Zutaten belegt werden, passt am besten ein süffiges elbanisches Bier. Ein Tipp: die feurige Diavolo oder die Hauspizza mit Steinpilzen.

Am nächsten Morgen erwartet uns in Marciana Monte eine Führung in der Fortezza Pisana. Dort werden multimediale Informationen zu den Naturschätzen des Nationalparks Toskanisches Archipel präsentiert und man kann sich ausführlich über Wander- und Exkursionsmöglichkeiten erkundigen. Teil des Archipels ist übrigens auch die durch Alexandre Dumas Roman weltberühmte Insel Montecristo, die heute allerdings ein besonders streng geschütztes Naturreservat ist und nur mit Ausnahmegenehmigung betreten werden darf. Zugänglich sind dagegen die Inseln Pianosa, Capraia und Giannutri, die teilweise bis heute als Gefängnisinseln genutzt werden und natürlich Giglio, das durch den Untergang der Costa Concordia traurige Berühmtheit erlangt hat. Nach einem Besuch im Informationszentrum sollte man nicht versäumen durch die engen, steilen Gassen des Dörfchens zu spazieren, denn wie im benachbarten Poggio hat sich hier die mittelalterliche Anmutung der trutzigen, stets von irgendwelchen Eroberern bedrohten Bergdörfer weitgehend erhalten – hier kann man selbst in der Hochsaison authentisches Elbafeeling erleben.

Elbe macht Lust auf einen zweiten Besuch

Anschließend fahren wir wieder hinunter nach Marciana Marina, wo die Fischer am späten Vormittag ihre Boote anlanden. Heute sind vor allem Pulpo, Barracudas und Goldbrassen ins Netz gegangen. Die reichlich um Elba vorkommenden Kraken gelten als die besten des gesamten Mittelmeerraums und sind neben der Margherita und dem Thunfisch das Rückgrad der elbanischen Fischküche. Übrigens kam auch Fußballorakel Paul einst aus den Gewässern vor Elba. Vom Hafen aus fahren wir mit einer Motorjacht, die man hier samt Skipper sehr günstig mieten kann, um die Nordostspitze der Insel ins malerische Porto Azzurro – hier lohnt ein Spaziergang entlang der Promenade.

Grund unseres Abstechers ist aber  das Ristorante La Botte Gaia, wo wir zum Lunch erwartet werden. Serviert wird unter einer Pergola im Freien. Wir genießen hausgemachte Pacchieri mit Pulporagout und Tonnarellomedaillons im Sesammantel auf geschmorten Gemüse. Am Elba: im Schatten seiner großen südlichen Schwestern Korsika und SardinienNachmittag steht schließlich noch eine Führung durch die ehemaligen Erzminen von Ginepro auf unserem gedrängten Besuchsprogramm. Entlang staubiger Schotterpisten geht es um zahllose Haarnadelkurven, bis wir das Minengelände direkt am Meer erreichen. Die verlassenen, gespenstisch wirkenden Förderanlagen, die langsam vor sich hinrosten, verleihen der Szenerie einen fast surrealen Charakter.

Nach rund 500 Metern in den engen Stollen erreichen wir endlich das ursprüngliche Abbaugebiet: vor unseren Augen öffnet sich ein Loch mit gewaltigen Dimensionen, das sich bis 54 Meter unter den Meeresspiegel erstreckt und dessen Decke wir ebenfalls nur ahnen: man hat berechnet, dass der Mailänder hier problemlos Platz finden würde. Froh wieder zurück an der Sonne zu sein, fahren wir zurück ins Ilio, denn wir müssen am nächsten Morgen schon wieder Abschied nehmen von Elba. Doch am Abend verwöhnt uns Giancarlo Pollidini noch einmal mit einem schönen Menü.

Diesmal spielt Fleisch die Hauptrolle. Nach typisch toskanischen Antipasti wie Prosciutto und Coppa serviert er Maltagliati mit hervorragendem Tomaten-Fleischragout. Als Secondo werden wir mit saftigen Tranchen vom Cinta Senese verwöhnt, die mit Rucola, Balsamico und Parmesanspänen serviert werden – ein Gedicht! Als wir am nächsten Tag dann in aller Frühe zum Flughafen fahren sind wir uns einig: das war nicht bestimmt nicht unser letzter Besuch auf der grünen Insel im Mittelmeer.

Weitere Informationen finden Sie unter www.visitelba.de, www.elbaerleben.comwww.intersky.de, www.hotelilio.com, www.aziendacecilia.it, www.labottegaia.com, www.isoladelbarentboat.it, www.marinasalacashmere.com und www.birradellelba.it.

Fotos: tha, Hotel Ilio

 

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Jürgen Sorges ist ein weit gereister Mann und obendrein ausgesprochen sympathisch. Da verwundert es kaum, dass der Berliner Journalist, zu dessen Spezialgebiet Reiseführer gehören, immer ganz nah dran ist an den Menschen und den vorgestellten Regionen.… weiter...