Back Speisen Kategorie: Aufgetischt KOMMENTAR: Ölskandal in Italien, reloaded.

KOMMENTAR: Ölskandal in Italien, reloaded.

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Die italienische Tageszeitung La Repubblica veröffentlichte im Dezember einen Bericht über einen vermeintlichen Olivenölskandal in Italien. "Informationen über altbekannte legale und illegale Aktivitäten der Ölindustrie" wurden laut des italienischen Magazin MERUM, "zu einem unverdaulichen Brei vermischt".

Die deutschsprachige Presse habe sich dem Thema dankbar angenommen und ohne eigene Recherchen den Lesern präsentiert. Zugegeben: Skandale sind immer beliebter Pressestoff und mit einem schielenden Auge auf Leserwahrnehmung in übersättigten Informationsmärkten schnell verbreitet. Die Steilvorlage für die deutschen Redaktionen kam von der italienischen Tageszeitung La Repubblica, die am 23. Dezember 2011 einen Artikel veröffentlichte, der kritische Berichte von Produzentenorganisationen und eine Untersuchung verschiedener Behörden gegen mehrere Ölfirmen präsentierte.

"Tatsächlich", schreibt MERUM, "hätte auch der aktuelle Olivenölskandal eigentlich nicht das Zeug zur Skandalmeldung". Es ginge ja nicht um ein aktuelles Vorkommnis, sondern vielmehr um die Aufzählung langjähriger Missstände, die den Interessierten längst bekannt seien.  Wer diese Interessierten sind und für was alle uninteressierten Käufer von italienischem Olivenöl gehalten werden, bleibt offen. Der dumme Konsument bleibt halt der Dumme und zahlt als letzter die Zeche. Doch ganz abgesehen von der Tatsache, dass kaum ein Verbraucher mit den aktuellen EU-Verordnungsnovellen, in ihnen ist zumindest der systemische Beschiss juristisch einwandfrei geregelt,  unter dem Arm in den Supermarkt wanken und für vermeintliches Extra Vergine aus Italien gutgläubig die sauer verdienten Kröten hinblättern, wird der Fokus auf eine andere Tatsache gelenkt: In Unmündigkeit gehaltenen Verbrauchern werden seit Jahrzehnten seitens der Lebensmittelindustrie Produktversprechen gemacht, die selten nur gehalten werden.

Putensalat ohne Pute, Käse ohne Milch, zusammengeklebtes Formfleisch oder Heringssalat auf Schweinebasis. Alles Beispiele für gezielte, jedoch legale Verbrauchertäuschung. Gut, kaum jemand erwartet, dass im "Schwarzwälder Schinken" Schwarzwälder verarbeitet werden. Erwartet wird jedoch schon, dass die Hinterteile aus dem Schwarzwald kommen und nicht aus Dänemark oder den Niederlanden. Erwartet wird auch, das im Schwarzwald die Sau nicht nur verpackt und etikettiert wird. Warum sollte es bei einem so feinen Produkt wie Olivenöl anders sein? MERUM legt die Fakten auf den Tisch: Italien erzeugt nicht mal genügend Olivenöl (300.000 Tonnen), um den Eigenbedarf von 450.000 Tonnen im Jahr zu decken. Exportiert werden zusätzlich nochmals 350.000 Tonnen. Die in Italien ansässigen Ölfirmen haben somit einen Bedarf von 800.000 Tonnen Öl und müssen 500.000 Tonnen zusätzlich zum italienischem Öl aus dem Ausland einführen. "Deshalb sollte die Entdeckung, dass der größte Teil des unter italienischen Markennamen kommerzialisierten Olivenöls nicht aus Italien stammt, niemanden überraschen", findet MERUM. Es sei zwar irreführend und unmoralisch – aber eben nicht ungesetzlich.

Übersetzen wir das ganze doch mal auf des Deutschen liebstes Kind, das Auto. Stellen sie sich vor, sie erwerben bei einem Händler gegen Hinterlegung eines größeren Batzens Hartgeld einen schicken neuen PS-Boliden und stellen fest, dass zwar die Glanzlack-Karosserie vom Allerfeinsten ist, der Motor jedoch von Tata Motors aus Indien stammt. Spätestens nach den ersten Autobahnkilometern drehen sie um und gehen dem Händler an die Gurgel. Natürlich nur im übertragenem Sinne. Kaufen werden sie dort - ganz gleich, ob die Motorbeschreibung korrekt auf seine 478 des Beipackzettels aufgeführt war - dort nimmermehr. Auch das Markenvertrauen ist nachhaltig beschädigt. Die Folgen für die ehrlichen Händler und Produzenten sind dramatisch: "Der wirkliche Skandal? Der besteht darin, dass dieser gigantische Etikettenschwindel die traditionellen Olivenhaine in den Hügeln des Mittelmeerraums nach und nach zerstört, indem die Bauern durch die tiefen Öl- und Olivenpreise vom Land vertrieben werden, und die Qualitätsöle der Unerschrockenen neben dem Billig-Extra-Vergine im Markt keine Chancen haben", erklärt die MERUM-Redaktion. Dem ist nichts hinzuzufügen. Höchstens: Lasst uns nicht müde werden, die Vielzahl der kulinarischen Fehlentwicklungen anzuprangern, den Verbraucher weiter aufzuklären. Ständig, und nicht nur wenn ein aufgewärmtes Thema mal wieder durch das globale Pressedorf getrieben wird.

Foto: msc

 

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