Wie von Geisterhand öffnet sich das schmiedeeiserne Tor am Beginn einer mehr als 800 Meter langen Allee, die von ausladenden Schirmpinien und stolzen Säulenzypressen gesäumt wird.
Links erstrecken sich die weiten Rebflächen der Tenuta Badiola, rechts grasen friedlich einige Maremma-Rinder mit ihren elegant geschwungenen Hörnern. Ganz am Ende der Schotterpiste erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe eine prachtvolle Villa im typischen Medici-Stil. Im späten 18. Jahrhundert war sie Sommerresidenz des Großherzogs der Toskana, des späteren Kaisers Leopold II. Der lies das malariaverseuchte Sumpfgebiet entlang der Küste trockenlegen und urbar machen. Ein Segen für den bitterarmen Landstrich am Thyrrenischen Meer. Das zu seiner Blütezeit fast 3000 Hektar große Landgut, das zur Residenz gehörte, war 150 Jahre lang einer der bedeutendsten Agrarbetriebe Mittelitaliens und entging nur deshalb der Zerschlagung im Zuge der Landreform nach dem zweiten Weltkrieg.
Heute wirbt das Anfang des Jahrtausends unter dem Label L´Andana in ein luxuriöses doch unprätentiöses Country-Ressort umgebaute Anwesen im Besitz eines internationalen Konsortiums bevorzugt mit seinem prominentesten Teilhaber, dem französischen Ausnahmekoch Alain Ducasse. Der betreibt in den ehemaligen Stallungen gleich unterhalb der Villa und einstigen Wirtschaftsgebäude, die 33 prachtvolle Zimmer und Suiten beherbergen, die mit einem Michelinstern bekrönte Trattoria Toscana.
Deren sympathischer Küchenchef Christophe Martin (37) zeichnet auch für das kulinarische Angebot im Hotelrestaurant La Villa verantwortlich. Nach Stationen in der Bretagne, dem Elsass und an der Loire wechselte Martin 2000 nach Monaco ins Louis XV unter Franck Cerutti und arbeitete mit an Ducasse´ monumentalem Grand Livre de Cuisine, bevor der ihn schließlich als seinen kulinarischen Lehnsmann in die Maremma schickte. Damals sprach Martin kein Wort italienisch, heute beherrscht er die Sprache fließend, auch wenn ihm zwischendurch noch immer ein paar französische Brocken herausrutschen.
Hotspot für Genießer
Dass zu den Eigentümern des Ensembles mit der Moretti-Gruppe auch eine veritable Größe der italienischen Wein- und Hotelszene gehört, macht das zwischen Grosseto und dem Badeort Castiglione della Pescaia gelegene Kleinod vollends zu einem Hotspot für Genießer. Schon die Weinberge der Tenuta Badiola, die vor allem mit Vermentino und Viognier, aber auch etwas Alicante, Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon bepflanzt sind, bringen trotz eines durchschnittlichen Rebenalters von gerade mal 10 Jahren bereits bemerkenswerte Weine hervor. Darunter der körperreiche Acquadoro, ein reiner Viognier, süffiger Acquagiusta Bianco, ein balsamischer
Rosso mit kräftigen Kräuter- und Macchianoten und ein intensiv duftender Rose. Aber vor allem bei den eleganten Tropfen vom rund eine halbe Autostunde entfernt gelegenen Moretti-Weingut Petra in Suvereto kommt echte Freue auf.
Die von Stararchitekt Mario Botta geplante Winery, die an einen modernen Sakralbau erinnert, ist die perfekte Kulisse für die Produktion von Weinen mit internationalem Format, die ihre Herkunft jedoch nicht verleugnen. Darunter der Weltklassemerlot Quercegobbe, charaktervoller San Giovese, mundfüllender Cabernet Sauvignon und das Flagschiff des Hauses: der Petra di Petra, ein veritabler IGT Supertuscan als Cuvée aus Cabernet und Merlot.
Bei einem Besuch sollte man unbedingt nach einer Kostprobe des hausgemachten Pancetta, der Coppa und des Prosciutto fragen, die aus dem Fleisch freilaufender Cinta Senese Schweine produziert werden, die auf dem Weingut leben. Natürlich kann man die edlen Petra Weine auch in der Trattoria Toscana und im La Villa genießen. Ohnehin fehlt keiner der großen Namen des toskanischen Weinadels auf der rund 250 Positionen umfassenden Karte. Da zum flüssigen Portfolio der Moretti Gruppe auch Bellavista in der Franciacorta gehört, bekannt für seine hervorragenden Spumante, ist selbst für Liebhaber feinster Bläschen bestens gesorgt.
Kalbskutteln mit Pesto und Wildkräutersalat
Die Küche der Trattoria und der Villa bieten eine behutsam modernisierte, hier und da auf der Zutatenseite ein wenig aufgemotzte Auswahl typischer Gerichte der toskanischen Cucina Povera. Bodenständig, schnörkellos und immer auf Basis der besten Produkte, die die Region zu bieten hat. Bemerkenswert zum Beispiel die Kalbskutteln mit Pesto und Wildkräutersalat, geschmorter Schweinebauch mit Fenchel, Kastanien und frischen Trauben oder ein sämiges Dinkelrisotto mit Kürbis, Speck und kräftiger Bratensoße.
Auf dem Weingut wird mit dem Land´olio außerdem ein ausgezeichnetes Olivenöl produziert, dessen grasige Noten und leicht prickelnde Schärfe ideal zu frischem Büffelmozzarella und zuckersüßen Datteltomaten passt, die hier schon zum Frühstück serviert werden. Das kleine Morgenbuffet ist in einer stilisierten Bauernküche aufgebaut, über deren offenem Herd die blankpolierten Kupferkasserollen baumeln - ein wenig kitschig, aber trotzdem sehr gemütlich!
Die beste Reisezeit ist das Frühjahr und der Herbst wenn die astronomischen Saisonpreise purzeln. Kleine Ausflüge in umliegende Städtchen wie Massa Marittima und Castiglione oder das Naturreservat Diaccia Botrona sollte man nicht verpassen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.andana.it und www.petrawine.it.
Fotos: lol, L'Andana



Natürlich sind Agrar-Spekulanten längst auf der untersten moralischen
Stufe angekommen. Spekulationsgeschäfte mit Nahrung töten. Genau wie
Monokulturen, Biodiesel aus Soja oder Spekulationen mit Wasser. Indirekt
geschieht dies, selten dokumentiert, mit zeitlicher Verzögerung. Die
verantwortlichen Akteure süffeln von Provisionen und Boni längst schon
Cocktails an der Bar, wenn für Apinke und Sowande der Todeskampf erst
beginnt. Außerdem liefern Hungertote einfach weniger spektakuläre Bilder
als beispielsweise durch Kleinwaffen zerfetzte Leiber. Deutschland ist
an der Verbreitung der "Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts"
(Kofi Annan) immerhin mit einem Exportvolumen von 76,15 Millionen Euro
(2012) beteiligt. Und was bitteschön hat (legaler) Waffenhandel mit
(legalen) Warentermingeschäften zu tun? Eine ganze Mange. Das Primat des
Ökonomischen bestimmt längst die Grenzen des Politischen und Moral taugt
nur bedingt als ökonomisch messbare Größe. Der mehrfach chemisch
gereinigte EU-Gesetzentwurf zur Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation
ist hierfür nur ein weiterer Beleg, meint DER KULINARIKER.



