"Noch einen Drink?", fragt der freundliche Kellner neben uns und ist nach einer mit breitem Grinsen genickten Antwort schon wieder entschwunden, um Minuten später mit einem weiteren Cocktail auf Chili-Basis zurückzukehren. Vom nahen Strand wehen mit dem tropisch-heißen Wind leise Musikfetzen herüber.
Dort, inmitten des pulsierenden Strandlebens Miamis, sind auch all die selbstreferenziellen Klischees überreichlich zu finden, die unzählige Male medial umgesetzt wurden und von Miami Vice bis Casino Royale das Bild der Stadt in den europäischen Hirnen dauerhaft zementieren. Einiges davon ist mehr als ein Klischee: Es gibt sie, die aufgemotzten Sportboliden, die mit überlauten Hip-Hop-Beats den staubigen Ocean Drive rauf und runter knattern. Es gibt sie, die knapp bekleideten Badenixen, die sich mit durchtrainierten Retortenkörpern in der Sonne des South Beach räkeln. Auch gibt es die hispano-kubanische Lebensart, die auf den ersten Blick erfrischend unamerikanisch daherkommt, mit ihrer entspannten guten Laune ansteckt, und zwischen Palmen, Sandstrand und Art Déco-Architektur ein ideales Tummelfeld gefunden zu haben scheint.
Eine wuselige Filmkulisse, bei der es auch dem zweiten Blick schwerfällt, zwischen Klischee und Realität zu unterscheiden, sind doch die Trennungslinien zwischen Kitsch, Touristen-Nepp und Authentizität mit Stil fließend. Auch deshalb ist es jetzt wohltuend, jenseits der überdrehten Lärmigkeit des Tages, hier zu sitzen und an einem Cocktail zu suckeln.
Hier, das ist die Innenanlage des im nördlichen Teil von Miami Beach unweit der Lincoln Street in der Collins Avenue gelegenen Fünf-Sterne-Hotels The Setai. Die Stimmen ringsum vermengen sich mit leisen Jazzklängen, werden von Palme zu Palme weitergereicht, brechen sich an asiatischen Stilelementen, um dann über dem flachen Wasser, um das sich die ganze Szenerie gruppiert, wieder zueinanderzufinden und als sanfte Brise im Irgendwo zu verhallen. Tiefe Entspannung stellt sich ein, und würde nicht noch das Abendessen warten, wäre man geneigt, sich keinen Millimeter von den bequemen Lümmel-Couches fortzubewegen und die Nacht im Freien zu verbringen. Doch, South Beach kann auch anders.
Luxusadresse mit Stil
Das im Sommer 2005 fertig gestellte Hotel entzieht sich vollends dem hektischen Treiben der Stadt am Miami River und ist, entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt, die ultimative Luxusadresse und entspannte Oase zugleich. Das hat Gründe. Um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen und möglichst schnell die Investitionen zu amortisieren,
setzen viele Hotelbetreiber mittlerweile auf die Kombination von Hotelzimmern und kauf- wie mietbaren Suiten. Dies gilt auch für das Setai, Teil der 1992 gegründeten Luxushotelgruppe GHM.
Die insgesamt 125 Zimmer und Suiten sind auf die zwei Gebäude-Komplexe verteilt: Die Suiten befinden sich im so genannten "Residence Tower", die 75 stilvoll eingerichtete Hotelzimmer in einem zwischen 1936 und 1938 erbauten achtstöckigen Art-Deco-Gebäude, dem vormaligen Dempsey Vanderbilt Hotel, das komplett kernsaniert wurde und zudem auch die Restaurant sowie die Bars beherbergt. Was bei vielen Hotel-Großprojekten gerne mal danebengeht, entpuppt sich im Setai als Stärke: Durch die Gesamtarchitektur, die Terrasse, Poolanlage und das Außenrestaurant harmonisch integriert, wird der abgeschlossene Charakter der Anlage unterstrichen und für den Gast schlüssig umgesetzt. Untermauert wird dies durch eine durchgängig klare Formensprache, die das ganze Haus durchzieht.
Gewagt, jedoch durchaus gelungen, ist der kulturelle Brückenschlag bei den Inneneinrichtungen: Art Déco, Anleihen an das Bauhaus, an Modernismus und asiatisch-balinesische Versatzstücke werden munter kombiniert und zurückhaltend, ja reduziert, eingesetzt. Ein Stil-Mix, der nicht ins Peinliche abzugleiten droht, nicht Prunk und Protz in den Mittelpunkt rückt, sondern durch die kluge wie dezente Farb- und Lichtgebung punktgenau einsetzt. Problemlos harmonieren deshalb balinesische Masken mit Mauersteinen aus Shanghai und Bilder von Christian de Laubadere mit dunklen Edel-Hölzern aus Indonesien. Da wundert es kaum, dass dies ein internationales Gästeklientel anzieht. "Rund 70 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Ausland", erläutert der Schweizer Hotelmanager Hansjörg Meier. "Viele Asiaten sind darunter, jedoch zunehmend auch Europäer."
Hohes Küchenniveau mit kleinen Abstrichen
Dieser internationale Anspruch wird auch bei der Kulinarik unterstrichen. Verantwortlich für die Küchen ist seit 2011 David Werly, der nach seinen Pariser Stationen im "Ritz" und im "Le Pré Catelan", seine ersten Amerika-Erfahrungen im "Le Cirque" in
Las Vegas gesammelt hat. Der gebürtige Elsässer setzt mit seinem Team im "The Restaurant" auf modern interpretierte asiatische Küche, die mit französischen Elementen spielt und im "The Grill" auf einen mediterranen Stil. Man merkt seiner Küche an, dass es eines enormen Spagates bedarf, den höchst unterschiedlichen Gästegeschmack zu treffen - überflüssige Amerikanisierungen inklusive.
Dennoch ist es Werly schon jetzt gelungen, im Setai eine der besten Küchen Miamis zu etablieren. Eine spannende Entdeckung sind seine Avocado-Cannelloni mit Jakobsmuschel-Ceviche, Tandoor-Zackenbarsch, der zuvor wunderbar mit Minze und Koriander mariniert wurde, sowie die perfekt gegrillte Lamm-Lende mit Tomaten-Confit, das sich als wahre Aromen-Bombe entpuppt, die süchtig macht.
KULINARIKER-Tipp: Nicht nur die Restaurants des Setai stehen externen Gästen offen - auch die Bars und der Weinkeller. Und hier herrscht mit Dwayne Savoie ein echter Wein-Enthusiast über die Flaschen. Unter seiner Regie ist mittlerweile eine der besten Weinkollektionen der Stadt aufgebaut worden, und Weine für rund eine Million Dollar lagern in den klimatisierten Hochregalen. Neben den "Klassikern" aus Frankreich, Spanien, den USA und Australien, versucht der erklärte Riesling-Fan, die Rebsorte auch seinem internationalen Publikum nahezubringen. "Nicht immer leicht, aber ich arbeite weiter daran und werde zukünftig die Positionen aus Deutschland aufstocken", verspricht Savoie.
Weitere Informationen finden Sie unter www.setai.com.
Fotos: lol, The Setai





