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Back Leben Kategorie: Terra Culinaria Abbanniata - Palermo kulinarisch

Abbanniata - Palermo kulinarisch

Aus Palermo berichtet Anja Hanke
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Abbanniata - Palermo kulinarisch
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Conca d’oro - die goldene Muschel - so wird die Ebene genannt, über die sich Palermo erstreckt. Eine Stadt, von der schon Goethe schwärmte, sie sei für immer unvergesslich. Zu Zeiten der arabischen Herrschaft wurde sie von alten Zitrushainen gesäumt, die sich bis in die südlichen Berge am Fluss Orete hinaufzogen. Heute sind sie mit Wohnsilos bepflanzt.

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Geblieben sind die alten Stadtviertel mit Palästen, Kirchen, Märkten – und Menschen, die die Millionenmetropole mit Stimmengewirr, echter Herzlichkeit, Lebensfreude und traditioneller Gastfreundschaft erfüllen. Palermo kann man nicht einfach nur besichtigen, man muss es riechen, schmecken und fühlen. Denn hier ist die Jahrtausend alte Geschichte nicht nur in der spannenden und einmaligen Architektur präsent, sondern vor allem in den Gassen und auf den Tellern. Die Küche Palermos spiegelt ihre Besatzer wider und hat aus jeder Epoche das Beste integriert. Schon früh am Morgen atmet man die salzige Schwüle des tyrrhenischen Meeres, in dessen Bucht die Stadt liegt, ein. Bereits jetzt tränkt die Hitze des beginnenden Tages die Haut mit Schweiß. Die Sonne taucht die Gassen in ein warmes Licht und der Schatten wird der beste Freund der hellen Stunden. Dies ist die beste Zeit, um auf einen der vielen Märkte der Stadt zu gehen.

Zwischen der 1997 wiedereröffneten, prachtvollen Oper Palermos, dem Teatro Massimo, und dem schwerbewachten Justizpalast geht es durch die barocke Porta Carina auf den Mercato Capo – ein Markt der besseren Leute. Auch hier ist die orientalische Vergangenheit der Stadt allgegenwärtig. Wie Souks erstrecken sich die Stände über Straßenzüge. Hier pulsiert das wahre Leben. Laute Rufe erfüllen die Häuserschluchten. Erschlagen von einem Farbenmeer aus Früchten und Gemüse "Abbanniata" heißt der Lobgesang auf die angepriesenen Waren, der wie eine Mischung aus italienischem Gesang und muslimischem Gebet erklingt. Es bedarf keiner Worte, um den Singsang in einem fast schon vergessenen Dialekt zu verstehen. Er erzählt eine Geschichte, die jedes Produkt in noch glanzvollerem Licht erstrahlen lassen soll. Aber sie ist nicht nötig, denn man wird erschlagen von dem Farbenmeer der Früchte und des Gemüses: Zucchini, die bis zu einem Meter lang werden. Alte Tomatensorten, die herrlich nach reifer Sonnenwärme duften. Kleine, flache, rotbäckige Pfirsiche, die von Italienern liebevoll "tabacco casella" - Tabakschachtel - genannt werden und ein herrlich süßes Aroma haben.

Tintenfische in allen Größen und Varianten

Gewürze, die wie in Goethes Werken beschrieben, die Sinne benebeln. Hier findet man kleine Mischungen von Weinbeeren und Pinienkernen, die in vielen sizilianischen Gerichten auf den arabischen Einfluss verweisen. Das Angebot des Marktes ist überwältigend, doch ehe man ihn betritt, ist es Zeit für ein Frühstück – und das typisch palermetanisch: Vor dem Tor ist ein Carello, der weiche, belegte Brötchen mit angerösteter Milz, Leber und Lunge verkauft. Für die restlichen Europäer mag diese Mahlzeit gewöhnungsbedürftig sein, aber sie ist die perfekte und klassische Abhärtung, um auf dem Markt gewinnbringend zu feilschen. Tintenfische in allen Größen und Varianten. Da gehen sie wieder los, die singenden Rufe der Verkäufer, die trotz Euro immer noch in Lire anpreisen. Den Neuling überwältigt die Pracht der Stände, doch der schnelle Blick erfasst das Insiderwissen. Nur an den guten Ständen bilden sich Menschentrauben, die um die beste Ware ringen. Besonders an den reichgefüllten Fischständen geht es heiß her. Neben einer kleinen barocken Kirche scheint ein Standbesitzer besonders gute Ware zu haben. Mit einem großen Messer schneidet er ein fünf Zentimeter dickes Filet von einem großen Schwertfisch herunter. Tintenfische in allen Größen und Varianten, Meeresfische, Krebse, Seeigel und Scampi liegen noch auf seinem Präsentiertisch – so frisch, dass die Muskeln der Miniaale noch zucken. Das Wasser tropft auf die großen Pflastersteine und der fischige Geruch steigt in die Nase. Man schwelgt zwischen der Faszination des Treibens, der Unerschöpflichkeit der Auswahl und der Furcht, auf den nassen Steinen auszurutschen und in den miefenden Lachen zu landen.

An einem Fleischstand hängt ein halbes Lamm in der aufkommenden Hitze des Tages. Es ist eine andere Art des Einkaufens auf dem Mercato Capo. Eine, die lebendig und laut ist. Die reich und frisch ist. Und die den Festland- Beobachter lehrt, was ein wahres Pokerface ist: Handeln, ohne eine Miene zu verziehen. Es wird Zeit weiter zu ziehen, vorbei am Normannenpalast, der Residenz der Könige. Auch heute noch beherbergt er die Regierung. Seine Fassade reflektiert die Baumeister der einzelnen Belagerungen. Idealer Ort für einen typisch italienischen Snack. Alle haben sie Spuren hinterlassen: die Normannen, die Araber und auch die Spanier. Im Inneren verbirgt sich das kostbarste Architekturjuwel der Stadt – die aus dem 12. Jahrhundert stammende Capella Palatina: die Privatkapelle der Normannenkönige und der weltweit wohl einzige Kirchenbau, der christliche und muslimische Architektur in solch einer verschwenderischen Pracht vereint. Durch den Park des Palastes, in dem sich Palmen und pinkfarbene Oleander um Brunnen und kleine Sitznischen ziehen, geht es über die Piazza della Vittorio zur großen Kathedrale, die die Sarkophage der großen Häupter Palermos birgt. Gegenüber liegt die Bar Marocco. Idealer Ort für einen typisch italienischen Snack oder einen Espresso, der die Lebensgeister weckt und die müden Füße wieder antreibt. Über den Corso Vittorio Emanuele II, der bis zum Meer führt, wo der Fisch die Stadt mit seiner Reichhaltigkeit segnet, führt der Weg zum Sonnentheater wie 'Quattro Canti' - die vier Ecken - von den Palermitanern zärtlich genannt werden.



 

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