"Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!", sagte einst Goethes Faust auf seinem Osterspaziergang. Treffender kann man das Gefühl nach der Ankunft auf der Insel Villingili, im südlichsten Atoll der Malediven gelegen, wohl kaum beschreiben. Sobald man sich der Schuhe und weiterer lästiger Reisekleidung entledigt hat und die ersten Schritte auf dem feinsandigen, weißen Strand der Lagune unternimmt, beschleicht einen die untrügliche Erkenntnis, im Paradies angekommen zu sein.
Vom internationalen Flughafen in Malé sind es noch etwa 70 Flugminuten bis nach Gan im Addu-Atoll. Der Blick aus dem Kabinenfenster der Propellermaschine auf die vorbeiziehenden Inselketten, die Stimme des Piloten, der in sanftem Tonfall die soeben vollzogene Überquerung des Äquators verkündet und die stylischen, perfekt sitzenden Uniformen des Bordpersonals erinnern an eine Zeit, in der das Fliegen noch etwas Exklusives war.
Mit dem Speedboat nach Villingili
Die Eindrücke schärfen die Sinne und steigern die Vorfreude auf das, was einen noch erwartet. In Gan angekommen, wird der Gast vom freundlichen Personal des Shangri-La in Empfang genommen und per Speedboat in zehn Minuten nach Villingili gebracht.
Das 2009 eröffnete Shangri La’s Villingili Resort&Spa verfügt über 132 Villen mit einer Größe von 133 bis 957
Quadratmeter (die Präsidentenvilla Laalu), die sich großzügig über das drei Kilometer lange und bis zu 800 Meter breite Eiland verteilen. Neben den Malediven-typischen Wasser- und Beachvillen kann man in versteckt gelegenen Baumhaus-Villen mit Meerblick wohnen, die in drei Meter Höhe in die dichten Baumkronen gebaut wurden.
Apropos Bäume: 17.000 Kokospalmen haben die Angestellten auf der Insel gezählt – zusammen mit den Banyan Trees und Grand Devil's-claws (Pisonia Grandis) bilden diese eine üppige Vegetation auf Villingili, die der Insel-Biologe Peter dem geneigten Gast während eines "Nature Walks" detailreich und anschaulich erklärt.
Nachhaltigkeit ist Programm
Überhaupt spielen die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung eine große Rolle in dem Konzept der Hotel-Gruppe. Das Trinkwasser wird in einer eigenen Entsalzungsanlage hergestellt und in wiederverwendbaren Glasflaschen abgefüllt.
Diverse Obst- und Gemüsesorten werden mittlerweile von rund 50 lokalen Bauern angebaut, die im Rahmen einer Kooperative von dem Luxus-Tourismus profitieren. Zudem wird der erst seit wenigen Jahren von der maledivischen Regierung erlaubte Austausch zwischen Touristen und Einheimischen gefördert: Resort-Gäste können per Fahrrad und mit lokalen Guides die fünf Nachbarinseln Villingilis erkunden, die durch eine 17 Kilometer lange Straße miteinander verbunden sind. Der Handel mit Souvenirs verschafft den Inselbewohnern eine zusätzliche Einnahmequelle.
Nach der anstrengenden Radtour empfiehlt sich ein Besuch des CHI-Spas, das mit einer Größe von 16.700 Quadratmetern den Titel der größten Wellness-Anlage der Malediven beansprucht. In elf geräumigen Spa-Villen kann man sich zum Beispiel mit einer Cowrie Shell-Massage verwöhnen lassen, bei der abwechselnd die Hände des Therapeuten sowie die Malediven-typischen Muscheln (früher ein Zahlungsmittel im Indischen Ozean) zum Einsatz kommen und man während des Gesangs eines maledivischen Wiegenliedes sanft in einen Schlummer versinkt.
Kulinarisch abwechslungsreiches Angebot
Doch schlafen möchte man auf dieser Insel eher nicht – zu kostbar erscheint jede Minute in diesem tropischen Paradies.
Für kulinarische Genüsse sorgt der bulgarische Küchenchef Emil Minev, der sich in London (La Tante Claire, La Square) und Dubai (Jumeirah Emirates Tower) bereits einen Namen gemacht hat.
Drei Restaurants stehen auf Villingili zur Auswahl: Das Signature-Restaurant Fashala, in dem hauptsächlich frischer Fisch und Meeresfrüchte auf der Karte stehen, das Javvu, tagsüber ein Bistro und abends mit mediterraner Küche sowie Dr. Ali's Restaurant, wo in drei verschiedenen Wohnzimmern regionale Küche des Indischen Ozeans, der südchinesischen See und des Arabischen Golfs serviert wird.
Hoch im Kurs stehen ebenfalls private kulinarische Abende, die im Rahmen des Dine by Design-Konzepts je nach Wunsch am Strand, auf einer Yacht, im Dschungel oder im Chef's Garden organisiert werden. Diese Fülle an Möglichkeiten sorgt auch bei einem mehrwöchigen Urlaub für ausreichend Abwechslung.
Paradies für Wassersportler
Für Schnorchler und Taucher ist das Addu-Atoll ein nahezu perfektes Revier. Die südlichen Atolle der Malediven sind von der Korallenbleiche wie auch dem Tsunami von 2004 weitestgehend verschont geblieben. Dementsprechend farbenprächtig und vielfältig zeigt sich die Unterwasserwelt am Hausriff und an den zahlreichen Tauchspots für Scuba-Diver. Das Hausriff ist über einen Steg an den Wasservillen zugänglich und auch für Anfänger sehr gut geeignet. Ein Highlight für erfahrene Taucher ist das Wrack der 140 Meter langen "British Royalty" in 33 Metern Tiefe, das eine halbe Bootsstunde vom Resort entfernt liegt. Auch Golfer kommen demnächst auf ihre Kosten: Zurzeit entsteht am südlichen Zipfel der Insel eine neun-Loch-Anlage.
Die Tage vergehen schneller als gewünscht und so heißt es irgendwann Abschied nehmen vom Inselparadies und seinen herzlichen Bewohnern. Noch lange sind die weißen Taschentücher des winkenden Personals zu sehen, während man wehmütig mit dem Speedboat zum Flughafen auf Gan übersetzt.
Weitere Informationen finden Sie unter www.shangri-la.com.
Fotos: Shangri-La





