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Dornröschen schlummert in Salzburg

Aus Salzburg berichtet Florian Althans
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"Da lag es und war so schön, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuss." Gebrüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, 1850.Eine wahre Begebenheit, eine einfache Geschichte, die im Laufe der Jahrhunderte durch Überlieferung und phantasievolle Ausschmückungen Gestalt annimmt, bis eines Tages ein fantastisches Märchen daraus wird.

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Ein Märchen wie Dornröschen.  Bereits um 1634 in Italien erstmals publiziert, 50 Jahre später als Moralgeschichte in den 'Contes de ma mère l′Oye' von Charles Perrault in Frankreich erschienen und dann von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm in den deutschsprachigen Kulturkreis verlegt. Zu Recht, meint Kulinariker-Autor Florian Althans, der während seines Aufenthaltes in Salzburg auf die einzig wahre Geschichte hinter diesem Märchen gestoßen ist.

Wir sind zu Gast in Salzburg. Ein viel versprechendes Wochenende in einem mit fünf Sternen dekorierten Hotel liegt vor uns. Viel versprechend, weil es sich nicht um eines der großen, bekannten Häuser handelt, die sich zwar zumeist durch exzellente Angebote ihre Sterne verdienen, jedoch von Land zu Land nur in der Anschrift voneinander unterscheiden. Unser Domizil zählt gerade einmal 24 Zimmer und Suiten, hat seinen baulichen Ursprung um 1350, als Tetelheimer Turm urkundlich erwähnt, und liegt hoch über der Altstadt von Salzburg auf dem Mönchsberg, jener Höhe, die auch der berühmten Salzburger Festung ein solides Fundament bietet. Der Hideaway-Report nannte das Hotel Schloss Mönchstein "das bezauberndste Stadthotel der Welt" und hat damit die Messlatte der Erwartung in luftige Höhen geschraubt.

Kubische,avantgardistische Elemente

Beim Einbiegen in die Auffahrt huscht zum ersten Mal dieser Gedanke durch unseren Kopf: Das ist doch wie ein Märchen. Nur welches? Wir schwanken beim Anblick des turmartigen Schlösschens noch unentschlossen zwischen Rapunzel und Dornröschen - Klarheit stellt sich zu einem späteren Zeitpunkt ein. Die historischen Wurzeln des Gebäudes sind nicht zu übersehen, ebenso wenig wie die jüngsten architektonischen Erweiterungen. Doch obwohl ein Gebäude dieses Alters gerade seinen Charme aus dem baulichen Erweitern und Reifen über Jahrhunderte bezieht, wirken die sehr modernen Erweiterungen - kubische, teils avantgardistische Elemente mit klaren Flächen, aus heimischen Gesteinen und viel Glas errichtet - nicht störend sondern bilden einen spannenden Kontrast zum historischen Gebäudekomplex. Das gilt auch für den rechts liegenden, derzeit ungenutzten Pavillon, den bis vor kurzem die ehemalige Besitzerin des Hotels bewohnte und der aus den späten fünfziger oder frühen sechziger Jahren zu stammen scheint.

Die Anmeldungspapiere füllen wir entspannt bei einem Cappuccino in einem winzigen Wintergarten aus, der die Bar beherbergt. Während das sehr freundliche Personal sich um unser Zimmer kümmert, begrüßt uns Manuel Lechner, seit gerade einmal zwei Wochen neuer Hoteldirektor im Hotel Schloss Mönchstein. Schlossherr ist seit dem letzten Besitzerwechsel Hans-Peter Wild, Chairman und Inhaber der Rudolf Wild GmbH & Co. KG, die unter anderem Produkte wie die uns seit Kindertagen vertraute Capri-Sonne herstellt. Manuel Lechner bringt Kenntnis mit: seine vorherige Station war die Geschäftsführung des Hangar 7 in Salzburg. Von ihm erfahren wir, dass vor allem Gäste auf Städtereise, Kulturreisende und Familien die Annehmlichkeiten des Hotels schätzen.

Entsprechend harmonieren das familiäre Flair des Hauses und die Angebote zur Entspannung, die der gemütlich-elegante Spa-Bereich des Hotels bietet. Lechner klärt uns endgültig auf, welches Märchen wir entdecken: "Wir möchten den Dornröschenschlaf des Hotels beenden." Doch im Märchen gab es dornige Hecken, durch die sich der Prinz hindurch schlagen musste. "Wir müssen lauter werden", meint Lechner. "Wir haben hier 14.000 Quadratmeter eigenen Park. Da bieten sich eigene kulinarische und kulturelle Angebote an. Wir denken über Feste, Konzerte oder Gourmetfestivals für Familien nach. Sensorik wäre ein schönes Thema", ergänzt er im Hinblick auf den Inhaber des Hotels. Die bisherige Philosophie des Hauses, ein Zusammenspiel von Qualität, Kontinuität und Privatheit, soll dabei nicht verwässert werden. Doch der guten Tradition möchte Lechner Neues entgegensetzen und ein stimmiges Konzept weit ab vom Mainstream anbieten - ganz so, wie es die Architektur des Hauses bereits verspricht.

"It’s the best Hotel in Salzburg."

Korrespondierend zu diesem Anspruch präsentiert sich die Küche des Hotels. Nach einer langen Anreise freuen wir uns auf die Kreationen von Küchenchef Michael Helfrich, für sein Können mit zwei Hauben und 16 Punkten ausgezeichnet. Er verbindet traditionelle österreichische Küche mit internationalen Elementen, behält dabei stets den Blick auf die regionalen Angebote und zaubert gleichsam als Tribut an die Wellnessangebote im Hause in die eher traditionelle Schwere der heimischen Speisen moderne Leichtigkeit. Wir genießen an diesem Wochenende Köstlichkeiten wie den Salat mit Walnüssen, Entenstopfleber, Vogelsalat, Kürbis und eingelegtem Kaninchen oder eine rosa gebratene Lammkeule mit Polenta und Gewürzjus.

Eine kleine Offenbarung ist die gefrorene Schokoladenluft mit Joghurtsand und Passionsfrucht. Die Weinempfehlungen von Sommelier Patrick Schwab begleiten die Gänge vorzüglich. Während wir durch den geschmacklichen Zauberwald wandeln, spricht uns ein arabischer Gast vom Nebentisch aus an: "It’s the best Hotel in Salzburg." Ein einfacher, klarer Satz, der zementiert im Raum steht und keine Antwort erwartet. Also genießen wir schweigend unseren Cappuccino von schwarzen Bohnen mit Korianderöl, marinierten Radieschen und gebratenen Speck-Crôutons und blicken durch die große Glasfront des Restaurants hinaus in die Nacht über die tausend funkelnden Lichter der Altstadt. In diesem Moment möchten wir uns über andere Hotels gerade keine Gedanken machen.

Etwas später in unserem Zimmer haben wir Zeit für ein Fazit: Dornröschen ist keine Prinzessin sondern ein kleines Schloss auf dem Mönchsberg. Die überlieferte Schlafdauer von 100 Jahren ist dreist übertrieben, schlummerte es tatsächlich doch nur wenige Jahre. Prinzen mit der Lizenz zum Küssen tragen heute den Titel Hoteldirektor, optional auch Geschäftsführer. Und Hecken durchschlagen sie nicht mit dem Schwert, sondern mit einem emotionalen und doch klaren Konzept sowie einer leidenschaftlichen Liebe zum Detail. In der von Calcata Marmor eingefassten Badewanne liegend, die sich im Erker unseres Bades befindet, blicken wir von hoch oben aus dem Fenster über das in der Nacht funkelnde Salzburg und stellen fest, dass Märchen absolut nichts von ihrer Romantik einbüßen müssen, wenn man den Grundlagen nachspürt. Und ein paar der Dornröschenhecken bleiben doch stehen - weil es einfach wundervoll ausschaut.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.monchstein.at.

Fotos:Hotel Schloss Mönchstein

 

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