Dubai – verpönt, belächelt, beneidet. Und allemal bewundernswert. Besucht man diese vielfach als "Übermorgen-City" titulierte Metropole in den Arabischen Emiraten, stellt man sehr schnell fest, dass es weit mehr als eine dem Gigantismus frönende Stadt ist.
Dubai besinnt sich auf Werte wie Art, Design und Lifestyle auf sehr hohem Niveau. Mag Abu Dhabi die Überholspur anstreben, auch aufgrund der Finanzkraft scheinbar unendlicher Öl-Ressourcen - die Musik spielt in Dubai. Das zeigt sich in vielen Bereichen: Dubai hat die weitaus attraktiveren Strände, die eleganteren Shopping-Malls, eine kaum zu toppende Hotellerie mit Restaurants und Nachtleben und punktet mit einer wachsenden, interessanten Kunstszene sowie atemberaubender Architektur. Es ist nicht vermessen zu schreiben, dass sich hier seit Jahren die global besten Architekten kreativ und mit beachtlichem Sinn für Ästhetik austoben konnten.
Der Burj Khalifa, der seit 2010 mit 828 Metern das zurzeit höchste Gebäude der Welt ist, besticht durch überwältigende Formschönheit und Ästhetik. Im Stadtteil Dubai Marina strecken sich surreal wirkende Wolkenkratzer wie Ausrufungszeichen in Stahl und Glas in den Himmel. Sicher, Dubai polarisiert, und man kann es auf den Nenner bringen: love it or hate it! Frei von Vorurteilen sollte man sich die Zeit nehmen, die spannenden Facetten der Stadt zu erkunden. Sie ist ein wahr gewordenes Märchen aus 1001 Nacht im futuristischen Gewand. Während in palastartigen Shopping-Malls exklusive Luxusgüter zum Kauf verführen, verlocken duftende Gewürze, arabisches Kunsthandwerk und jede Menge opulenter Goldschmuck in den orientalischen engen Gassen der Souks.
Oase der Kunst
Während Nobel-Limousinen die achtspurigen Highways entlang gleiten, ziehen der vor Stadt Kamelkarawanen durch die Wüste, Fischer fahren in ihren malerischen Holz-Dhaus auf das Meer mit Handelsware für Indien, Pakistan und die arabische Welt. Eine Wüstentour, oder auch ein Dhau-Boots-Tripp bei Sonnenuntergang sind unvergessliche Erlebnisse. Dubai als
Drehkreuz von Asien, Afrika und Europa hat sich in den letzten Jahren zu einer wahren Oase der Kunst entwickelt. Wesentlich dazu beigetragen hat die seit 2007 ins Leben gerufene "Art Dubai".
Kunstinteressierte aus aller Welt treffen sich hier jährlich Ende März. In Dubai boomt die Kunst wie sonst nirgendwo in der Region. Das Stadtviertel Al Quoz wurde zur Heimat der jungen aufstrebenden Kunstszene. Seit 2003 lassen sich Künstler hier nieder, angelockt von günstigen Mieten in dem etwas schäbig wirkenden Gewerbeviertel. Hier spürt der Besucher nichts von dem Glitzer der Stadt, hier befinden sich Autowerkstätten und Kleinbetriebe in Wellblechhallen. Rund 20 Galerien haben in den letzten Jahren eröffnet. Besondere Beachtung findet der "big player" der Kunstszene, Khalid Samawi, mit der Ayyam Gallery. Der ehemalige Hedgefonds-Manager aus der Schweiz betreibt sein Non-Profit Museum mit beseelter Leidenschaft.
Die Grundstücksbetreiber erkennen das Potenzial dieser Kunstszene und investieren rund zehn Millionen Euro für die Erweiterung des Kunstviertels. Auch Scheich Mohammed Bin Raschid al Maktum, der Herrscher von Dubai, plant rund um den berühmten Burj Khalifa ein Kulturviertel mit Oper, Modern Art Museum und Galerien. Dubais Hotelangebot ist an Vielfalt kaum zu überbieten: Große Hotelketten, Themen-und Boutique-Hotels, Strandresorts und Wüsten-Retreats stehen zur Wahl. Unser letzter Aufenthalt fand im Armani Hotel im Burj Khalifa statt, das sich über elf Stockwerke erstreckt, mit in der Tat "abgehobenem" Luxus.
Auf Armani getrimmt
Der Gast taucht ein in die Welt von Georgio Armani. Schon die Auffahrt lässt ahnen, dass man sich auf dem Weg in eines der exklusivsten Nobelherbergen der Emirate befindet. Der Empfangsbereich gleicht einer Wohnhalle, in der die gedämpfte Farbe "greige" dominiert, eine Armani-Kreation aus beige und grau. Diese Komposition zieht sich durch alle Räumlichkeiten. Es gibt keine Rezeption, der Gast wird von seinem Lifestyle Manager (sonst Butler genannt) begrüßt. Er empfiehlt sich als Betreuer auf Abruf, zu jeder Zeit von der Ankunft bis zur Abreise.
In der Lobby herrscht gedämpfte Ruhe, die Angestellten, alle im Armani Outfit (greige, versteht sich) wurden von einem Starvisagisten angeleitet, sich zu schminken, ohne geschminkt zu wirken. Auch die Gäste, auf die man im Entrée und auf den kunstvoll ausgelichteten Fluren trifft, scheinen dem Armani-Style angepasst. War das nicht gerade Viktoria Beckham, die an uns vorbeihuschte? In der Suite setzt sich der bis ins Detail ausgeklügelte Armani-Look fort. Faszinierend ist das technische Equipment der Zimmer. Es herrscht eine absolute Wohlfühl-Atmosphäre, die in Designhotels nicht selbstverständlich ist. Viele Räume bieten den Blick auf die grandiosen Wasserspiele mit Musik, die von 17.00 Uhr bis Mitternacht auf dem vorgelagerten Kunstsee des In-und Unterhaltungsviertels "Downtown Dubai" stattfinden. Dass die acht Restaurants mit italienischer, chinesischer und mediterraner Küche und die themenorientierten Lounges (Whisky und Zigarren) der Exzellenz des Hauses entsprechen, verwundert nicht.
Weitere Informationen finden Sie unter www.dubaitourism.ae.
KULINARIKER-Tipp: Anreise ab Hamburg, Düsseldorf, München und Frankfurt nonstop mit Emirates Airline. In der First- und Business-Class wird neben einem excellenten Service obendrein ein kostenloser Chauffeur-Service von Haus zu Haus angeboten. Mehr unter www.emirates.de.
Fotos: DTCM, Dubai Tourism



Wenn man nur mehr Zeit hätte. Beispielsweise könnte dann der Frage
nachgegangen werden, ob ein Zusammenhang zwischen ökonomischer und
kulinarischer Entwicklung bestünde. Eine Frage in diesem Kontext könnte dann
sein, ob in schlechten Zeiten - was vordergründig logisch erscheint - weniger
auf den Tisch kommt und in guten eben deutlich mehr. Das Gegenteil scheint
jedoch der Fall zu sein. Ein nur oberflächlich durchgeführter Vergleich von
Wirtschaftsentwicklung anhand von Wachstumskennzahlen und Food-Fotografien der
Vergleichszeiträume zeigt, dass gerade in Boom-Zeiten die präsentierten
Gerichte deutlich reduzierter ausfallen (Ausnahme: die 50er Jahre, in denen
nach kriegsbedingtem Darben kräftig zugelangt wurde) und kubistisches
Schnitzwerk die Berge von Nahrung verdrängt. Das mag an der Zielgruppe liegen,
die sich längst qua ererbten oder erarbeiteten Grundvermögen abgekoppelt hat
von ökonomischen Entwicklungen und einfach nur gerne gut isst. Reine
Spekulation, keine Erklärung. Auch geht es in postindustriellen Zeiten um
deutlich mehr denn die simple Nahrungszufuhr - es darf halt auch in der Küche
das moderne Design der Standard-Einrichtungshäuser nicht fehlen. Zudem ist das
Streben nach Profitmaximierung schon längst bei den Köchen angekommen. Die
einfache Gleichung: Weniger auf dem Teller heißt mehr in der Kasse. Hübsch
angerichtet und verpackt, fällt uns das nicht sonderlich auf. Vielleicht ist
es aber auch nur ein Zeichen von Zeitmangel. Reduktion, schneller Konsum, acht
Gänge in einer Stunde, Mund abputzen und dann wieder raus in die Welt und
Mehrwert schaffen. Ist deshalb das japanische Fast Food Sushi so beliebt?
Werden deshalb Pitbull-Weine mit 14,5 Volumenprozent gelupft? Ach, wenn man
nur mehr Zeit hätte,
meint DER KULINARIKER.
Nicolas Géant, Imker: Die Biene in den Städten trägt besser als die Feldbiene. Foto: Stephan Gabriel

