Das Olivenöl-Angebot präsentiert sich aus Verbrauchersicht meist als einziges Chaos. Auf nahezu jeder Flasche prangt in übergroßen Lettern ein "Extra Vergine" - auf den teuersten wie auf den billigsten.
Auf mindestens neun von zehn Etiketten ist das "Extra", davon zeigt sich die Redaktion von Merum, der Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien, überzeugt, jedoch schlicht gelogen. Merum fordert deshalb in der neuesten Ausgabe des Olivenöl-Dossiers, den Begriff "Extra Vergine" komplett abzuschaffen und liefert die Erklärung gleich mit: "Extra Vergine (Nativ Extra) heißt die Erfolgsmarke. Aber niemand sagt dem Verbraucher verbindlich, wo das Qualitätsprädikat berechtigt ist und wo nicht. Da aufgrund des Widerspruchs zwischen einer völlig ungeeigneten Gesetzgebung und der tatsächlichen Qualität des größten Teils des Olivenöls keine Untersuchungsbehörde etwas gegen den herrschenden Etikettenschwindel unternehmen mag, ist Falschetikettierung in den vergangenen Jahrzehnten zur Normalität geworden und der Verbraucher der Willkür der Anbieter ausgesetzt."
Es sei daher naheliegend und zwingend, neue, den effektiven Voraussetzungen angepasste Kennzeichnungsvorschriften für Olivenöl einzuführen, da es heute offenbar keine Möglichkeit gäbe, rechtsgültig zwischen einem übelriechenden und einem exzellenten Olivenöl (Extra Vergine) zu unterscheiden. "Olivenöl soll wieder zum Überbegriff für alle nativen Öle werden," fordern deshalb die Öl-Experten aus der Toskana. "Derzeit wird Olivenöl allerdings für die Bezeichnung der untersten Qualitätskategorie missbraucht, für das Öl, dass mit Chemie und Hitze aus verdorbenem Lampantöl gewonnen wird."
KULINARIKER-Tipp: Mehr zu diesem Thema liefert das Merum-Dossier "Olivenöl" (9,90 Euro) sowie die DVD "Olio, ti voglio" (Paketpreis Dossier und DVD: 16,90 Euro). Ab sofort verfügbar unter www.merum.info.
Cover: Merum





