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| Überleben! Ein Selbstversuch. |
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Der Strom kommt aus der Steckdose, der Kühlschrank ist immer reichlich gefüllt und die Mikrowelle stets dienstbereit. Unser Leben ist so einfach und bei näherer Betrachtung höchst luxuriös. Doch, was würde passieren, wenn all das mit einem Mal weg wäre. Nichts von den, nennen wir sie simplifizierend "Zivilisationserrungenschaften", bliebe. Dieser Frage ist KULINARIKER-Autorin Anja Hanke in einem Selbstversuch nachgegangen.
Wir stehen mitten in der Wildnis. Das Einzige, was wir bei uns haben, ist ein Messer – und unser Kopf. Und der Wille, diese Situation zu überleben. Hier sind weder ein Übermaß Testosteron noch Muskeln gefragt. Nur Erfahrung, Cleverness und Verstand, wie die Männer der Fünften Inspektion der Bundeswehr im Außenlager "Sauwaldhof" nahe Altenstadt beweisen. Bei der Ausbildung "Überleben in der Natur" lernen die Teilnehmer wie man eine solche Situation meistern kann. Ob hinter feindlichen Linien oder jenseits urbaner Verzärtelung. Und das auch unter kulinarischen Aspekten. Denn vom gegarten Fisch im Klopapier bis hin zum Hasenschlachten zeigen die Ausbilder jede Menge Tipps und Tricks, die wirklich jedem helfen können und eines klarstellen: "Nur die Kreativen schaffen es!"
Es ist ein guter Tag heute. Die Vögel zwitschern in den Baumkronen. Die Sonne strahlt trotz Minustemperaturen wärmend vom Himmel und hinterlässt ein Funkeln im Wasser des Flusses, an dem wir stehen. Die Luft ist rein und voll Frische. Wir sind draußen, sind in der Natur. Doch was sich so traumhaft idyllisch anhört, kann sich auch ganz schnell in eine bedrohliche Situation verwandeln. Eine Situation, in der es um Leben und Tod geht. Nehmen wir ein mögliches Szenario der Berufssoldaten: Sie sind unterwegs in gefährlicher Mission und werden beim Einsatz von ihren Truppen getrennt. Irgendwo im Nirgendwo sind sie verschollen. Um sie herum ein Nichts aus Bäumen, Feldern und Wasser. Die Notration ist bereits aufgebraucht, der Magen knurrt schon seit Stunden und die Kräfte schwinden.
Der Magen knurrt
Alles, was jetzt noch helfen kann, ist Ruhe, Wissen und Grips. Denn dieses "Nichts" der Natur ist voll von essbaren Schätzen – man muss nur wissen , wo sie sind und wie man sie sich zu Nutzen macht. Darum dreht sich auch der vorletzte Tag des Überlebenslehrgangs, bei dem Stabsfeldwebel Stefan Kudela (44) seit über 15 Jahren jungen Offiziersanwärtern die Reichhaltigkeit der Natur nahe bringt: "Man muss immer mit offenen Augen unterwegs sein, dann kommt man in so einer Notlage auch richtig gut zurecht", erklärt der Profi-Überleber seinen Schützlingen, die seit Tagen kaum in ihren selbstgebauten Tipis geschlafen, nicht wirklich gegessen haben und ausgehungert auf Ihren Vorgesetzten und vor allem sein Wissen warten. Denn der Magen knurrt.
Doch, die Situation könnte auch anders sein: Man ist auf einem Ausflug in der Natur, weit weg von jeglicher Zivilisation. Das Auto ist kaputt und der Akku des Handys leer. Das Ziel des Soldaten wie auch des Privatmannes ist dasselbe. Sie wollen die Situation überleben, wollen nach Hause in die Sicherheit. Der Weg dahin führt sie durch unwegsames Gelände, Flussbecken und eine Natur, die selbst im härtesten Winter noch allerlei zu bieten hat! "Alles, was jetzt zählt seid ihr selbst und euer Verstand", meint der Stabfeldwebel eindringlich. Wer weiß, wie er sich selbst helfen kann, ist König der Situation und verbessert seine Chancen signifikant.
In der Fünften Inspektion sieht das so aus: Zu allererst werden die Messer gewetzt. Denn ohne scharfe Klinge geht in der Wildnis gar nichts. Und dann wird das Gemüse geschnippelt, das, dank der strengen Vorschriften und der winterlichen Temperaturen, natürlich nicht vom Feld geerntet wird, sondern aus dem Supermarkt kommt. Aber das Wissen, wo die Ausbildungsteilnehmer das Gemüse im Ernstfall herbekommen könnten und, wie daraus eine nahrhafte Mahlzeit wird, bekommen sie vermittelt. "Es ist wichtig darauf zu achten, dass so viele Nährstoffe wie möglich in die Mahlzeit wandern. Denn die braucht ihr im Ernstfall."
Heute: Forelle im Klopapier
Eine Mahlzeit in der Wildnis muss in erster Linie nicht schmecken, sondern Kraft für die nächsten Stunden, die nächste Nacht oder den nächsten langen Fußmarsch geben. Und so werden die geschnittenen Karotten, Kartoffeln, der Lauch und der Sellerie mit reichlich Wasser zu einer kräftigen Suppe gekocht. "Jetzt noch ein Schuss Weißwein und ein bisschen geriebener Parmesan", meint ein Teilnehmer grinsend. Doch das bleibt ein unerfüllter Wunsch.
Während die Suppe über dem offenen Feuer vor sich hin köchelt, steht die nächste Lektion auf dem Plan: Forelle im Klopapier. Bevor es jedoch an die Garmethode des Fisches geht, muss man erst einmal wissen, wie man die schlüpfrigen Wasserbewohner aus dem Fluss bekommt. "Wenn ihr Draht zur Hand habt, könnt ihr mit einem Stock ein Gerät zum Angeln bauen", erklärt Stabfeldwebel Kudela und hält einen Stock, an dessen Ende die Metallschlinge zu einer Schlinge gezogen wird. Jetzt ist Geduld und Ruhe angesagt. Langsam steckt er sein selbstgebasteltes Werkzeug ins Wasser und verfolgt damit eine Forelle. Eisschollen versperren ihm die Sicht. Alle stehen still und selbst auf das Atmen möchte man verzichten, könnte es doch die nächste Mahlzeit kosten. Warten. Minute um Minute. Doch plötzlich schnappt die Falle zu.





