Die ägyptischen Weine haben nicht gerade den besten Ruf. Noch in den 90er Jahren warnte das amerikanische Außenministerium davor, in Ägypten Alkohol zu trinken, da die Qualitäten derartig schlecht wären, dass von einem Konsum dringend abzuraten sei. Eine Ursache für die schlechte Weinqualität der zurückliegenden Jahrzehnte ist wohl im Monopol der einzigen, bis vor kurzem noch staatlichen Kellerei zu suchen.
Das Staatsunternehmen wurde inzwischen zwar privatisiert und gehört heute zu einem Brau- und Getränkekonzern unter der Führung von Heineken, aber dennoch hält man sich die Konkurrenz vom Leibe: Zölle und Abgaben von 300 Prozent auf importierte Weine sorgen für die Marktabschottung gegenüber der ausländischen Konkurrenz.
Da hilft es auch nichts, dass bereits die alten Pharaonen sehr viel Wert auf einen guten Tropfen gelegt haben und man deshalb in Ägypten fast 6.000 Jahre Weinbaugeschichte lückenlos dokumentieren kann. Zur Zeit der Pharaonen war es das Getränk der Oberschicht und es gab wohl schon damals ein fein abgestuftes Qualitätssystem. Heute werden auf rund 57.000 Hektar Trauben angebaut, aber nur der kleinste Teil davon wird zu Wein verarbeitet. Das meiste sind Tafeltrauben - oder sie werden zu Rosinen getrocknet.
Da verwundert es kaum, dass erst jetzt ein Quereinsteiger für den längst fälligen Qualitätsschub sorgt: Karim Hwaidak, ein Deutsch-Ägypter, der in Dortmund geboren und in Kairo aufgewachsen ist. Er ist einer der Pioniere des ägyptischen Tourismus und sein Namen ist eng verwoben mit dem Aufstieg von Hurghada zur bekanntesten ägyptischen Urlaubsdestination. Er lebt inzwischen mit seiner Familie in Italien und hat dort seine Liebe zum Wein entdeckt. Und er hat sich sofort die Frage gestellt, warum es nicht möglich sei, an die alte Weintradition seiner Heimat Ägyptens anzuknüpfen. 2004 wurden die ersten Weinreben im Norden des Landes etwa 50 Kilometer außerhalb von Kairo gepflanzt. Inzwischen ist ein weiteres Weingut mit etwa 200 Hektar in der Nähe von Luxor dazugekommen. Damit ist das Unternehmen Sahara Vineyards der größte Traubenproduzent des Landes und kann sich den Luxus erlauben, nur die besten Partien der Trauben für seine eigenen Weine zu verwenden.
"Das Klima ist angenehm berechenbar, die Sommer gleichmäßig warm, es gibt keine störenden Regengüsse oder Gewitter und die Wüste sorgt für relativ große Unterschiede von Tag- und Nachttemperaturen", unterstreicht Karim Hwaidak. "Auf dieser Grundlage kann sich eine komplexe, spezielle Aromakomplexität entwickeln." Der beratende Önologe, Professor Jose Lluiz Perez, ist eine der führenden Persönlichkeiten im Priorat (Spanien) und dort von Anfang an dabei. Sein Mas Martinet hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Perez ist mindestens einmal im Monat vor Ort in Ägypten, wie mir bestätigt wurde, und es scheint, dass er es ebenfalls als persönliche Herausforderung sieht, hier in der Wüste des alten Ägypten einen neuen Premium-Wein entstehen zu lassen. Die Ergebnisse können sich schon heute schmecken lassen und bieten eine erstaunliche Qualität, die einfach Spaß macht. Und für Ägypten selbst sind sie eine Zeitenwende, ein Aufbruch in eine Zukunft als ernstzunehmendes Weinland.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.saharavineyards.com.
Fotos: Sahara Vineyards





