| Beitragsseiten |
|---|
| DER KULINARIKER trifft: Roland Ballner |
| Seite 2 |
| Alle Seiten |
Es gibt sie noch, diese Menschen, die polarisieren, weil sie Dinge einfach aussprechen, eine Meinung haben und diese auch vertreten. Menschen, die sich mit sich und ihrem Leben und ihrer Umwelt konsequent auseinandersetzen. Anja Hanke trifft Roland Ballner zum Gespräch.
Ballner sitzt, vielmehr liegt, völlig gelassen in einem großen Ledersessel in der Lounge. Das Essen aus dem hauseigenen Restaurant von Koch Bernhard Reiter, der regionale Produkte auf hohem Niveau mit einem einfallsreichen und interessanten Crossover aus ungewöhnlichen Gewürzen und Kombinationen vereint, hat ihn träge gemacht. Eine Zigarre - eine seiner größten Leidenschaften - in der Hand, das Glas Whisky aus seiner großen Sammlung von über 30 verschiedenen Malts, die er neben exklusiven karibischen Rums, auch mit seinen Gästen teilt, vor sich, lässt er den Blick durch den Raum schweifen. Über die Bar, deren Design-Idee aus Argentinien kommt, vorbei an den vielen kleinen Tischen und Regalen, auf denen Bildbände aus der ganzen Welt zum Schmökern liegen. Das Interview kann beginnen.
Kulinariker: Wenn man sich so in Deinem Hotel umsieht, scheinst Du ein Mensch zu sein, der die Extreme, die Gegensätze liebt.
Ballner: Mir liegen keine komplett durchgestylten Hotels. Diese Designhotels werden aus dem Boden gestampft und entbehren jeglicher Gemütlichkeit. Ein Hotel muss wachsen, sich entwickeln. Wir haben einen guten Mix – moderner Kolonialstil gepaart mit Biedermeier und antiken Schränken aus dem Altbestand des Hauses.
Kulinariker: Die Regel "Keine Kinder unter 12 Jahren" hat viel Medienwirbel hervorgerufen. Wieso hast Du Dich dazu entschlossen?
Ballner: Weil ich selber als Gast in Australien, USA und Argentinien gemerkt habe, wie angenehm das ist. Ich wusste, dass es ein kritisches Thema ist, aber mit diesem Wirbel hatte ich nicht gerechnet. Es gibt in Österreich ca. 75 reine Kinderhotels, in der Region rund um den Wolfgangsee 25 Vier-Sterne-Hotels. Ich dachte, das wäre mal was anderes. Ich habe nichts gegen Kinder, aber wir bieten im Cortisen schlicht nichts für Kinder. Das Grundstück ist zu klein für einen Spielplatz. Das Wasser am Ufer geht gleich sehr tief nach unten. Die Kleinen wären nur enttäuscht. Und ehrlich, jeder war schon einmal in der Situation, dass ihn Kinder genervt haben – hier können Eltern Urlaub machen!
Kulinariker: Hast Du diesen Schritt je bereut?
Ballner: Nein, kein einziges Mal. Keine Sekunde. Ich stehe dazu!
Kulinariker: Würdest Du Dich als Perfektionist bezeichnen?
Ballner: Ich bin sehr selbstkritisch – nennen wir es mal so. Und das bringt einen gewissen Perfektionismus mit sich, denke ich.
Kulinariker: Du vereinst im Cortisen alle deine Leidenschaften, man könnte sogar sagen: Das Cortisen bist Du. Welcher Leidenschaft frönst Du am liebsten?
Ballner: Wertung ist da wirklich schwer. Dem Thema Zigarren bin ich schon sehr zugeneigt. (lächelt breit) Es gibt ja diese unsägliche einsame Insel-Frage: "Was nimmst du mit, wenn…Eine Kiste Wein oder eine Kiste Zigarren? Die Zigarrenkiste, würde ich antworten – dazu passt auch Tee oder Kaffee. Da bin ich flexibel (lacht)
Kulinariker: Ist dieses Leben, wie Du es führst, Luxus für Dich?
Ballner: Ja, absolut. So wie ich das Haus mache bist du 24 Stunden am Tag dabei. Aber du gehst nebenbei schwimmen, auf den Berg und hast immer gutes Essen – das ist sehr angenehm. Ich würde keinen anderen Job machen wollen.





