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Back Kulinarik Kategorie: Abgegessen KOMMENTAR: Arrivederci Italia!

KOMMENTAR: Arrivederci Italia!

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Einzelfall bedeutet in letzter Konsequenz meist den tiefen Fall Einzelner. Einige Akteure sind dann auch gefallen, nachdem vor kaum vier Jahren ein krimineller Cocktail aus Salzsäure, Düngemittel, Zucker und Wasser in rund 70 Millionen Liter Pansch-Wein für Aufsehen sorgte.

Vier Jahre sind keine lange Zeit. Und doch sind diese Ungeheuerlichkeiten in den Hintergrund gerückt, sind schnell vergessen, sind in der Schublade "Einzelfall" verschwunden. Andere Lebensmittel-Skandale sind längst in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung - und damit an ihre Stelle gerückt. Denn: Auch hierzulande hat die Lebensmittelindustrie - erwähnt seien Gammelfleisch, Antibiotika-Garnelen, EHEC oder Dioxin in Hühnerfutter - so einiges zu bieten. Doch daran haben wir Verbraucher, wir Konsumenten, wir zahlenden Kunden uns scheinbar gewöhnt. Ein bisschen Beschiss gehört halt zur Nahrungsmittelproduktion wie "Ein bisschen Frieden" zur trällernden Schlagerboje Nicole.

Auch deshalb verwundert es kaum, dass die Negativ-Meldungen dies- und jenseits der Alpen nicht abreißen. Erst gegen Ende des vergangenen Jahres ist eine italienische Fälscherbande aufgeflogen, bei der Bio-Unternehmen, Händler und kreativen Mitarbeitern von Bio-Zertifizierern im großen Stil Etikettenschwindel betrieben hatten. Über viele Jahre hinweg sind konventionelle Produkte mit dem Etikett "Bio" versehen und unter ebendiesem verkauft worden. Rund 700.000 Tonnen sollen das gewesen sein mit einem Gesamtwert von 220 Millionen Euro.

Jetzt wird bekannt, dass ein Großteil des als "italienisch" verkauften Olivenöls in Wahrheit aus dem Ausland importiertes Billigöl ist. Etwa 80 Prozent des Öls würden falsch deklariert oder irreführend ausgezeichnet, berichtet die Zeitung "La Repubblica" unter Berufung auf Ermittlungen von Zoll und Finanzpolizei. Den Angaben zufolge importierten die Unternehmen Öl aus Spanien, Griechenland, Marokko und Tunesien. Der Preis dafür liege teilweise unter 25 Cent pro Liter. Das Öl werde dann teils behandelt, teils sofort mit italienischem Öl verschnitten. Anschließend verkauften die italienischen Lebensmittel-Firmen das Öl als "Olivenöl aus Italien" an Discounter, Touristen und im Großhandel - für drei bis vier Euro je Liter. Insgesamt würden, so das Nachrichtenportal Yoopress, "die Unternehmen mit diesen Olivenölen einen Umsatz von jährlich fünf Milliarden Euro" erzielen. Der österreichische Wein-Autor Helmut O. Knall sieht ein weiteres Problem: "Man denke nur an die unglaublichen Mengen Pinot Grigio, die in Deutschland verkauft wurden, die in ganz Italien gar nicht wachsen können, an Billig-Prosecco et cetera. Da gab es schon einige Verurteilungen. Millionen Hektoliter wurden in Italien beschlagnahmt."

Man mag argumentieren, die ans Licht gekommenen Fälle seien gerade ein Beleg für funktionierende Kontrollen. Man mag argumentieren, diese Fälle seien Einzelfälle und die bei Weiten überwiegende Mehrzahl produziere sauber, lauter und korrekt. Richtig. Doch zu vermuten ist, dass hier immer nur die Spitze des Eisberges, die gröbsten Auswüchse an Gier und Dreistigkeit zutage gefördert worden sind. Produzenten, die sich durch diese Machenschaften klare Marktvorteile ergaunert haben und/oder mal so richtig Kasse machen wollten, gibt es in jeder Branche, in jedem Land. Doch im Falle Italiens verblüffen nicht allein die Fakten - es verblüffen die Mengen, die lange Zeit, die es brauchte, diese kollektiven Betrügereien aufzudecken und es verblüffen die vielen Seilschaften, die diese überhaupt ermöglichten. So richtig spannend wird es erst, wenn der Beschiss System hat. Denn dann deutet vieles auf ein grundlegendes systemisches Problem hin.

Dazu gehören eine lückenhafte Gesetzgebung, überforderte bis korrupte Kontrollinstanzen, lernresistente Produzenten und mafiöse Strukturen, die im trauten Zusammenspiel immer wieder aufs Neue den Boden bereiten für die kleinen Tricksereien und großen Lügen. Wird der Einzel- zum Regelfall, rücken nicht mehr nur Einzelne in den Fokus der Allgemeinheit, sondern langfristig mit dem System auch das Grundvertrauen in die Ehrlichkeit italinischer Produzenten. So weit ist es noch nicht. Doch deutlich gesunken ist schon heute - allen Unschuldsvermutungen zum Trotz - die Verbraucher-Lust auf "Made in Italy".

Quellen: Yoopress.de, www.wine-times.com, La Repubblica

Foto: msc

 

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