Gut essen und trinken in Toronto (III)

Hotel-Restaurants haben es nie ganz einfach. Oft ist die Atmosphäre etwas steif und die Einrichtung erinnert eher an eine Zahnarztpraxis als an das Lieblingslokal um die Ecke.

Ein bisschen gilt das auch für das Toca, das Italo-Restaurant des Ritz Carlton Hotels in Downtown Toronto. Trotzdem sind die Erwartungen hoch. Denn das Toca pflegt eine Tele-Partnerschaft mit dem römischen Chefkoch Oliver Glowig. Das Menü (Hummer | Foie Gras | Pistazien-Mus | Apfel, Zitronen-Risotto | Miesmuschel | Auster, Bison | Schalotten | Speck, Dekonstruierte Tiramisu) hinterließ einen gemischten Eindruck. Schön für Events und Degustationen mit Weinprobe ist die "Cheese Cave" mit 35 Sorten aus Nordamerika und Europa, dito der Chef’s Table in der Küche.

Auch wenn nicht alles perfekt ist: Im Toca hat man das Gefühl, dass sich das Team redlich bemüht. "Wir lernen", fassen die Köche ihr Engagement mit wohltuender Bescheidenheit zusammen. Zum Beispiel seien Degustations-Menüs anfangs kaum angenommen worden. Inzwischen hätten die Gäste mehr Vertrauen in ein kulinarisches Überraschungs-Ei.

Downtown Toronto ist jedoch nicht das kulinarische Zentrum der Millionenstadt. Der bekannte Food-Consultant, Koch und Restaurant-Inhaber John Lee empfiehlt auf jeden Fall einen Abstecher nach Yorkville. Immer mehr Top-Restaurants und "Wanna Bes" siedeln sich in dem Schicki-Quartier an, weil hier auch das zahlungskräftige Publikum wohnt. Das Kasa Moto ist einer dieser Newcomer, den Japaner gibt es seit Juni 2015. Er hat das legendäre Remys verdrängt, das 26 Jahre lang eine Institution in Yorkville war, weshalb einige Einheimische dem Edel-Izakaya mit Skepsis begegnen.

Worüber John Lee, der selbst chinesische Wurzeln hat, nicht so gern spricht: Hinter vielen Neueröffnungen stehen Chinesen, auch wenn die Küche japanisch ist. In Niagara-on-the-Lake im Weinbaugebiet draußen vor der Stadt gehören inzwischen sämtliche Hotels Chinesen oder chinesisch-stämmigen Kanadiern. Das Kasa Moto gehört der Chase Hospitality Group – keine Ahnung, wer da dahinter steht. Ist uns auch egal, wir wollen hier ja nur essen.

Was die Köche Daisuke Izutsu, Michael Parubocki und Tsuyoshi Yoshinaga im Kasa Moto auf den Tisch zaubern, gehört zum Besten, was wir aus der japanischen Küche kosten durften: Tuna Tataki, Broccoli Tempura, Wagyu-Beef vom Robata-Grill, eine Meerbrasse mit Chimichurri-Sauce … Da nimmt man es mit Humor, dass das Schicki-Publikum in Yorkville eben schon sehr speziell ist. Und dass die Großeltern ihre Enkelin am Nachbartisch besorgt fragen, ob ihr die Fellfarbe ihres neuen Pferdes auch wirklich gefalle.

Daisuke Izutsu.
Daisuke Izutsu.

 

Wem das zu abgehoben ist, der geht vielleicht lieber ins First-Nations-Restaurant Boralia im ebenfalls sehr angesagten Stadtteil Ossington. In dem etwas dunklen Lokal kommen Miesmuscheln, Jakobsmuscheln, Elch, Lachs und Pilze auf den Tisch – eben alles, was die Ureinwohner Kanadas so gejagt und gesammelt haben. Manchmal schmeckt das aufregend nach neuer nordischer Küche, manchmal nicht viel anders als in einem x-beliebigen Restaurant, das kanadische Spezialitäten serviert.

Was zu einer Gourmet-Tour durch Toronto auf jeden Fall dazugehört, ist ein Picknick auf den Inseln vor der Stadt im Lake Ontario. Wer sich darum nicht selbst kümmern möchte, ruft Scott Savoie an und lässt sich von ihm ein "Canoe Paddle & Beach Dining Adventure" arrangieren. In einem historischen XXL-Kanu, wie es die frühen Siedler benutzten, geht es im letzten Abendlicht zu den Inseln. Das Gourmet-Picknick hält, was es verspricht, aber es kommt "extra dry" daher: kein Wein, kein Bier –  denn im Freien darf in Kanada kein Alkohol getrunken werden.

Der Blick auf die erleuchtete Skyline von Toronto beim Zurückpaddeln im Dunkeln ist dafür mehr als eine angemessene Entschädigung.

Hier geht’s zu den erwähnten Restaurants und Locations unserer Toronto-Serie:

http://luckeerestaurant.com
http://chippysfishandchips.com
www.kingsnoodle.ca
http://www.scaramoucherestaurant.com
http://oliverbonacini.com/Auberge-du-Pommier.aspx
www.thisisbarraval.com
www.elcatrin.ca/home
www.thedistillerydistrict.com
www.somachocolate.com
http://millstreetbrewery.com
http://ontariosake.com
www.buca.ca
www.tocarestaurant.com
www.kasamoto.ca
http://boraliato.com
www.culinaryadventureco.com

Weitere Tipps und Links

www.canada.travel
www.seetorontonow.com

Toronto Food and Wine Festival: www.torontofoodandwine.com

St. Lawrence Market: www.stlawrencemarket.com, größter und bester Food-Market der Stadt, ähnlich dem Münchner Viktualienmarkt. Amish People bieten hier ihre Bio-Kartoffeln an.

Carole’s Cheesecake Company: www.carolescheesecake.com, mehr als 70 Käsekuchen-Kreationen mit Dulce di Leche, Pistazie, Kürbis, etc., alle ohne Konservierungsstoffe.

Wine Country Ontario: http://winecountryontario.ca

Wohnen

The Hazelton, http://thehazeltonhotel.com, luxuriöses Boutique-Hotel im Herzen von Yorkville, guter Viewing-Spot für Celebrities während des Toronto International Film Festivals (TIFF).

The Ritz Carlton Toronto, www.ritzcarlton.com/en/Properties/Toronto, eines der besten Häuser der Stadt, von einigen Eck-Suiten toller Blick auf den CN-Tower und den Lake Ontario.

Fotos: Tourism Toronto, Günter Kast

Letzte Änderung am 25/01/2016

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Autor

Günter Kast

Leitsätze

Bewusster Genuss, freudvolles Leben im Gleichklang mit der Umwelt und die Verwirklichung individuellen Lebensglücks: Leitsätze seiner Philosophie, die bis heute nicht von ihrer Aktualität und Strahlkraft verloren haben und inhaltlich den KULINARIKER prägen. Auf eine genussvolle Zusammenarbeit freuen sich die Herausgeber Michael Schabacker & Lars Oldenbüttel.

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