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Hamburg: Müde Helden

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Im Mittelpunkt der Ausstellung Müde Helden steht vom 17. Februar bis zum 13. Mai 2012 die Entwicklung der Utopie des "Neuen Menschen" im 20. Jahrhundert. Die Hamburger Kunsthalle zeigt im Werk der drei Maler Ferdinand Hodler, Aleksandr Dejneka und Neo Rauch die Geschichte diesesdeals wie in einem Brennspiegel gebündelt eindrucksvoll auf.

Der Schweizer Maler Ferdinand Hodler (1853–1918) steht am Anfang dieser historischen Entwicklung. Als einer der hervorstechenden Vertreter der Lebensreformbewegung gibt er dem um 1900 mit großem Pathos vorgetragenen Thema des "Neuen Menschen" in seiner Malerei künstlerischen Ausdruck. Seine großfigurigen Gemälde weiblicher und männlicher Gestalten tragen jedoch, ungeachtet ihrer Monumentalität, bereits die Zeichen des Artifiziellen und Dekorativen an sich - und können von daher als "müde Helden" betrachtet werden.

Der im Westen weniger bekannte, in Kursk geborene Aleksandr Dejneka (1899-1969) war zwischen 1918, dem Todesjahr Ferdinand Hodlers und der Verordnung des Sozialistischen Realismus in der Sowjetunion im Jahr 1932 ein Protagonist der postrevolutionären Malerei. Bisher völlig unbeachtet blieb, wie sehr sich der russische Maler in seinen Bildmotiven, wie auch in der Körpersprache und der Modellierung seiner Personen an Hodlers eurythmisch bewegten Figuren orientiert. In seinen Gemälden ersetzt Dejneka die aufblühende Natur durch im Aufbau befindliche Industrielandschaften. Dejnekas Arbeiterinnen und Arbeiter erscheinen wie die Wiedergeburt der symbolistischen Malerei des Schweizers in proletarischem Gewand.

Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts greift der in der DDR aufgewachsene und ausgebildete Neo Rauch den von Hodler und Dejneka geprägten Typus nach dem Ende des Kommunismus erneut auf. Mit bewusstem Rückgriff auf die Helden aus Technik und Industrie der Zwanziger und Dreißiger Jahre lässt er die Figuren in Posen der Handlungshemmung erstarren und in absurden Zusammenhängen ins Leere laufen. Die Utopie verkehrt sich hier in eine Absage an die Fortschrittsgläubigkeit und an jegliche Ideologie.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hamburger-kunsthalle.de.

Foto: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin und David Zwirner,
New York; VG Bild-Kunst, Bonn 2011 (Uwe Walter)

 

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