Längst schon ist die Zahl der produzierten Kochbücher im deutschspachigen Raum kaum noch zu überblicken. Gefühlt sind es, aufs Jahr gerechnet, 30 Neuerscheinungen. Täglich. Bei vielen denkt man mitleidig an die Bäume, die für sie gefällt werden mussten. Doch es gibt auch andere Kochbücher. Kochbücher, die geschrieben werden müssen, die längst überfällig waren.
Die eine Lücke schließen. Zu diesen gehört "Voodoo Food" von Dodo Liadé. Der promovierte Politologe, selbst Afrikaner, hat die Küche seiner Heimat, der Elfenbeinküste, nicht vergessen. "Meine Mutter kochte immer mehr als nötig - für den Fall, dass irgendjemand mit hungrigem Magen zu Besuch kommt. Tatsächliche hatte unser Haus den Charakter einer kleinen Mensa", beschreibt Liadé seine Kindheit. Und es gehört gewiss nicht sehr viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie er als sechstes von 17 Kindern am Tisch der Großfamilie saß und die bis heute unvergessene Kochkunst seiner Mutter genoss.
Wenngleich der etwas reißerische Buchtitel inhaltlich in die Irre führt, ist ihm ein Buch gelungen, das den Leser spielerisch bei der Hand nimmt und über die enorme Vielfalt der regionalen Küchen einen Kontinent zu verstehen hilft. Ein Kontinent, der immerhin fast ein Viertel der Landfläche der Erde umfasst und in dem rund eine Milliarde Menschen leben. Und Essen. Ein Kontinent auch, der jenseits eurozentristischer Sichtweise und Schlagzeilen, die von Hunger, Krieg und Leid künden, so unendlich viel Gutes zu bieten hat. Dessen kulturelle Heterogenität und seine Dimensionen - das nordafrikanische Algerien beispielsweise ist knapp siebenmal so groß wie Deutschland - konkret erlebbar werden durch die vielen kulinarischen Entdeckungen, die Liadé von seinen zahlreichen Reisen aus Afrika mitgebracht hat.
Ob Couscoussuppe, Okraschoten mit getrockneten Champignons in Palmsaft, Straußenfleisch am Spieß, dem Fischeintopf Dongo-Dongo oder Yamstopf mit Huhn - kaum etwas davon landet auf europäischen Tellern. Eine selbstgefällige kulinarische Haltung, kräftig gewürzt mit postkolonialer Arroganz. Das wird mit jeder Seite, jedem neuen Rezept, überdeutlich. KULINARIKER-Fazit: Ein längst überfälliges Buch, garniert mit großartigen Illustrationen von Zsuzsanna Ilijin. Mehr davon.
Voodoo Food - Magie der afrikanischen Küche
Edition Styria, München/Wien 2010, 160 Seiten, geb. mit Schutzumschlag,
ISBN: 978-3-99011-013-3, 29,95 € / 47,- sFr
Weitere Informationen finden Sie unter http://editionstyria.styriabooks.at.
Coverfoto: Edition Styria





