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Single Malt im Freistaat

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Kein anderer hochprozentiger Tropfen besitzt einen solchen Mythos wie der Whisky, das 'Wasser des Lebens'. Vielfach wurde er besungen, mancher Poet konnte erst durch ihn kreativ werden - oder überhaupt aus dem Bett kommen. Galt er noch bis vor einigen Jahren als Getränk für alte Männer, ist Whisky heute auch bei jüngeren Menschen Kult.

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In Schottland, dem Land mit der jahrhundertelangen Whisky-Tradition, ist das Getränk allgegenwärtig und nach wie vor der Exportschlager schlechthin. Doch auch Bayern hat seinen 'Single Malt' – ein Besuch am Schliersee. Einige Ruderboote wiegen sich auf dem Schliersee noch hin und her, obwohl der Winter hier bereits Ende Oktober mit Schnee eingekehrt ist. Vereinzelt tauchen schroffe Felsen der nördlichen Alpen und schneebedeckte Tannen inmitten der tiefen Wolkendecke auf. Die Bedienung des einzigen Gasthauses im Schlierseer Ortsteil Neuhaus trägt Tracht und spricht mit bayerischem Zungenschlag. In einer Ecke wachen eine Madonna-Figur und der gekreuzigte Jesus über den Stammtisch und die Gläser mit Weißbier. Bei der letzten Bundestagswahl kam die CSU auf über 50 Prozent. Nur eines passt nicht ins bayerische Idyll: Florian Stetter eröffnete hier im August 2007 eine eigene Brennerei – für Whisky.

Einen Mann mit so einer verrückten Idee stellt man sich anders vor: Stetter trägt ein dunkles, viereckiges Brillengestell und den Anflug eines Drei-Tage-Barts. Eine Frisur hat er nicht wirklich, vielmehr hängen seine braunen Haare etwas unmotiviert in die Stirn. Für Florian Stetter haben Schottland und Bayern viel gemein: "Berge, Seen und Tannenwälder auf der einen Seite, sture, eigenwillige Menschen mit einem Hang zur Freistaaterei und einer schwierigen Aussprache auf der anderen Seite", erklärt der 43-jährige. "Und sowohl aus Lederhose als auch aus dem Kilt blitzen nackte Füße hervor", sagt Stetter und zieht sich seine braune Trachtenjacke mit echten Hornknöpfen zurecht. Warum nicht also auch einen bayrischen Whisky herstellen? Und so passt es ins Bild, dass die Besucher der Slyrs-Destillerie mit der Aufschrift 'Do nei' auf den richtigen Pfad geführt werden. Und der führt zunächst in den kleinen Shop des mächtigen Holzhauses: Dort lagern in über zwei Meter hohen Regalen nicht nur die edel anmutenden Flaschen mit dem Wasser des Lebens und dem daraus hergestellten Likör, sondern auch passende Gläsersets, T-Shirts, Regenschirme und Schirmmützen mit dem Logo des Betriebs.

Mehr Spott als Zustimmung

Der Name 'Slyrs' (gesprochen "Schlürs" und somit auch im alkoholisierten Zustand leicht zu nuscheln) geht zurück auf ein Kloster, das fünf Mönche hier im Jahr 779 gründeten und bezeichnet einen grün-gelblich schimmernden Mergel, der typisch für die Gegend ist. Stetter – so zeigt es ein kurzer Film im kleinen Besucherkino – sieht sich und seine Aufgabe in der Pioniertradition der fünf Mönche. Dabei stand am Anfang allerdings eine Schnapsidee - im wahrsten Sinne: Während einer Studienfahrt mit 50 anderen Destillateuren nach Schottland im Jahr 1994 verglich Stetter permanent die Vorzüge Schottlands mit seiner bajuwarischen Heimat und erntete dafür mehr Spott als Zustimmung. Als Stetter, der vor seiner Brennerkarriere eine Lehre als Braumeister absolvierte, während einer Destillerie-Führung die Whisky-Herstellung mit dem Bierbrauen verglich, war er in der Bredouille: "Dann stell doch gleich einen bayrischen Whisky her", wurde er abends beim Probieren des schottischen Nationalgetränks zur Wette aufgefordert. Stetter schlug ein. Der Einsatz: "Ein Tragerl Weißbier". An Stetters Mundwinkel bilden sich Lachfalten.

Doch sein Eifer war in den folgenden Jahren mäßig: "Für mich war es eher im Suff daher geredet, doch das ließen die anderen nicht gelten." Und so fing Stetter an zu experimentieren, obwohl seine Familie nicht sonderlich begeistert war: "Whisky verlangt keiner, schon gar keinen deutschen", sagten sie. Und sie sollten es wissen, denn seit drei Generationen betreiben sie die bekannte Destillerie Lantenhammer. "Anfangs waren die Ergebnisse alles andere als ein Genuss", gesteht Stetter einige Fehlversuche. Doch 1999 gelang es ihm mit Brennmeister Hans Kemenater, einen qualitativ guten Tropfen zu destillieren. Nach der Mindestlagerzeit von drei Jahren konnten sie erstmals ihr Produkt abfüllen und verkaufen. Innerhalb von zwei Wochen war der Slyrs vergriffen. Da die Nachfrage groß blieb, beschloss Stetter den Aufbau einer eigenen Whisky-Brennerei. Zwar gab es in Deutschland schon vor Stetter einige Brenner, die Whisky herstellten, doch eine eigene Brennerei gab es bisher nicht. Im Gegensatz zu Stetter waren die Banken nicht überzeugt, dass sich der drei Millionen Euro teure Neubau rechnen würde. Und so ging man beim Slyrs ungewöhnliche Wege: Die Hälfte der Summe brachten andere überzeugte Whisky-Fans als private Einlage auf.



 

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