Von Hout Bay kommend, glaubt man spätestens an der Mautstation zum Chapman’s Peak Drive, man habe das Tintswalo Atlantic übersehen. Aber nein, lächelt die junge Farbige, noch zwei Kurven und dann rechts und reicht uns das Ticket.
Während wir weiterfahren, schaue ich nach rechts auf den glitzernden Atlantik, zerklüftete Felsen, traumhafte Buchten - und was für Ausblicke! Mir wird klar, warum diese Strecke als eine der schönsten Küstenstrassen der Welt gilt. Exakt zwei Kurven weiter erreichen wir das Eingangstor zum Tintswalo Atlantic. Das Auto bleibt oben stehen. Ein Geländewagen bringt uns samt Gepäck über ein enges, gewundenes Sträßchen hinunter. Unten angekommen verschlägt es uns fast den Atem und ein bewunderndes "wow" lässt sich kaum unterdrücken. Was für ein spektakulärer Ausblick aufs Meer, die Hout Bay und den malerischen Mount Sentinel. Das ist großes Kino: Ganz großes Kino. Tintwalo Atlantic hat wohl eine der schönsten Lagen einer Lodge in Südafrika: mitten in einem Nationalpark direkt am Atlantik. Mehr Meer geht nicht.
Die blauen Wellen rollen bis unter die Terrasse meiner Madura Island Suite. Lediglich zehn luxuriös eingerichtete Suiten sowie die Präsidentensuite verstecken sich zum Teil unter 300 Jahre alten Milkwood-Bäumen. Die Natur hat absolute Priorität. Mit viel Achtsamkeit und Umweltbewusstsein wurde das romantische Hideaway integriert, zum Teil um die Bäume herum gebaut. Jedes der auf Stelzen stehenden Strandrefugien ist thematisch einer Insel gewidmet und mit viel Charme und Liebe zum Detail
stilgerecht mit perfekt abgestimmten Farben und passendem Interieur eingerichtet. Im Badezimmer begeistern mich neben der Aussicht die handgefertigten Muschelornamente an den Wänden.
Sowohl das Haupthaus als auch alle Suiten bieten einen sensationellen Meerblick – einige mehr, andere weniger, je nach Vegetation. Durch Zufall hat der Eigentümer diesen besonderen Ort entdeckt, ein wahrlich magischer Platz. Vier Jahre hat er dann gebraucht, um von der Regierung eine Genehmigung für den Bau dieser außergewöhnlichen Lodge zu erhalten, die ohne Frage bereits zu den Hot Spots Südafrikas zählt. In der offen gestalteten Küche kann man Johan Lamprecht, dem jungen Küchenchef, über die Schulter schauen bei der Zubereitung seiner französisch inspirierten Küche mit südafrikanischem Touch.
Yellowtail mit getrüffeltem Kartoffelpüree
Seit seinem 15. Lebensjahr hat er seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt, steht er am Herd. Er kommt aus einem kleinen Fischerdorf an der Küste, was seine Vorliebe für frische Meeresfrüchte geprägt hat. Sein gegrillter Yellowtail mit getrüffeltem Kartoffelpüree und einer Weißwein Beurre Blanc ist sensationell. Und wenn Johan mal frei hat, springt Ryno du Rand, der allgegenwärtige sympathische General Manager, auch schon mal selber ein und zaubert in der Küche mit. Alles ist sehr
entspannt. Die Angestellten sind äußerst aufmerksam und freundlich, jedoch mit einer gelassenen Leichtigkeit, die ansteckt und die angenehm private Atmosphäre unterstreicht. Delphine und Robben zum Frühstück. Whale watching zum Lunch. Afternoon tea mit einer reichen Auswahl verschiedener Tees, Kaffee, frisch gebackenen Kuchen und Gebäck oder ein Sundowner zum grandiosen Sonnenuntergangsspektakel direkt über dem türkisblauen Meer – Tintswalo Atlantic ist schon ziemlich nah an der Vorstellung vom Paradies. Es fällt schwer, etwas Negatives zu finden – vielleicht der Kieselsteinstrand?
Doch kaum zu glauben, Ryno erzähl, dass es im Sommer auf Grund anderer Strömungen und Windrichtungen zehn Wochen lang sogar auch Sandstrand gibt. Zum Beweis zeigt er mir die traumhaften Fotos auf seinem IPhone. Die Gegend lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein und ein Ausflug zum Cape Point, dem Kap der Guten Hoffnung, wo sich Indischer und Atlantischer Ozean treffen, ist ohnehin Pflicht. Doch ansonsten schlage ich vor, einfach nur auf dem herrlichen Holzdeck mit einladenden Sofas oder auf der eigenen Zimmerterrasse zu sitzen und einen Ausblick zu genießen, an dem man sich nicht satt sehen kann.
Weitere Informationen finden Sie unter www.tintswalo.com.
Fotos: hne, Tintswalo Atlantic



Wenn man nur mehr Zeit hätte. Beispielsweise könnte dann der Frage
nachgegangen werden, ob ein Zusammenhang zwischen ökonomischer und
kulinarischer Entwicklung bestünde. Eine Frage in diesem Kontext könnte dann
sein, ob in schlechten Zeiten - was vordergründig logisch erscheint - weniger
auf den Tisch kommt und in guten eben deutlich mehr. Das Gegenteil scheint
jedoch der Fall zu sein. Ein nur oberflächlich durchgeführter Vergleich von
Wirtschaftsentwicklung anhand von Wachstumskennzahlen und Food-Fotografien der
Vergleichszeiträume zeigt, dass gerade in Boom-Zeiten die präsentierten
Gerichte deutlich reduzierter ausfallen (Ausnahme: die 50er Jahre, in denen
nach kriegsbedingtem Darben kräftig zugelangt wurde) und kubistisches
Schnitzwerk die Berge von Nahrung verdrängt. Das mag an der Zielgruppe liegen,
die sich längst qua ererbten oder erarbeiteten Grundvermögen abgekoppelt hat
von ökonomischen Entwicklungen und einfach nur gerne gut isst. Reine
Spekulation, keine Erklärung. Auch geht es in postindustriellen Zeiten um
deutlich mehr denn die simple Nahrungszufuhr - es darf halt auch in der Küche
das moderne Design der Standard-Einrichtungshäuser nicht fehlen. Zudem ist das
Streben nach Profitmaximierung schon längst bei den Köchen angekommen. Die
einfache Gleichung: Weniger auf dem Teller heißt mehr in der Kasse. Hübsch
angerichtet und verpackt, fällt uns das nicht sonderlich auf. Vielleicht ist
es aber auch nur ein Zeichen von Zeitmangel. Reduktion, schneller Konsum, acht
Gänge in einer Stunde, Mund abputzen und dann wieder raus in die Welt und
Mehrwert schaffen. Ist deshalb das japanische Fast Food Sushi so beliebt?
Werden deshalb Pitbull-Weine mit 14,5 Volumenprozent gelupft? Ach, wenn man
nur mehr Zeit hätte,
meint DER KULINARIKER.
Nicolas Géant, Imker: Die Biene in den Städten trägt besser als die Feldbiene. Foto: Stephan Gabriel

