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Erlebbare Geschichte in New Orleans

Aus New Orleans berichtet Michael Schabacker
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Die feucht-schwüle Hitze Louisianas lähmt. Fast steht sie wie eine gleißende Mauer vor einem, durchschreitet man stöhnend und schwitzend die Straßen von New Orleans. Nur wenige Meter noch, dann ist es geschafft. Dann stehen wir ermattet und voller Ehrfurcht vor einer Südstaaten-Ikone: dem Roosevelt.

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Schwarze Limousinen, überdimensioniert, amerikanische Blech-Tradition und der Chic der 50er Jahre auf den Straßen. Begleitet von Jazz und einer damit einhergehenden beschwingten Leichtigkeit, geht es durch die Pforte in eine andere, kühlere und klimatisierte Welt. Es ist eine Welt die blendet durch die visuelle Umsetzung gelebter Südstaaten-Träume mit kolonialem Anspruch. Erlebbare Geschichte, voll entspannter Unaufdringlichkeit. Gefangen ist man sofort in der Erinnerung, was einmal war und unwiederbringbar verloren schien. Die Zeit verharrt beim Gang zur in feinst verlegten Marmorsplittern eingefassten Rezeption. Vorbei geht es an tausendfach mit Glas bestückten Kronleuchtern, marmornen Wänden und klassizistischen Säulen, die ein klares Statement abgeben: Ja, wir sind durch die Baumwolle reich geworden und zeigen es auch dezent. Das kleine Handgepäck abgestellt: "Your credit card please". Die Realität hat uns wieder.

Doch der Ernüchterung folgt nicht etwa die Enttäuschung, nicht die Reduktion der Momente, als vielmehr ein nächster Blick die weite Halle hinab. Gesäumt von güldenem Prunk, gespiegelt und manifestiert in dem Odem längst vergangener Tage, verharrt das Auge in Einzelpunkten dieses kühlen und dennoch so vereinnahmenden Vergangenheits-Monumentes.

Das Roosevelt erscheint endlos…

…und kühl, dennoch strahlen diverse Accessoires Behaglichkeit aus. Meterhoch bäumen sich Pfeiler auf, dekoriert mit metallenen Seilen wirken diese als  architektonische Verbindung zur Decke. Polierter Marmor in den Farben beige und dunkelbraun führt in gerader Linie durch die Halle, Die Lobby des Rooseveltfinalisiert sich jeweils an den beiden Ausgängen des Hotels. Flankiert von riesigen Pflanzen in hüfthohen und hochglänzenden Pflanzkübeln, erscheint die Weitläufigkeit der Eingangshalle als Symmetrie in die Unendlichkeit.

Hell erleuchtet durch eine riesige Lichtlinie – Produkt diverser Leuchter, welche scheinbar tonnenschwer der Decke zur Last fallen – verlassen wir den Rezeptionsbereich. Den riesigen Adler hinter uns lassend, welcher mit Argusaugen schauend Krone der Rezeptionseinheit ist, betreten wir einen der Tower. Ein leises Surren und eine angenehme Geschwindigkeit des Fahrstuhls sind die Wegbegleiter hinauf in die Flure und in unser Zimmer. Ornamente und – so scheint es – die ewig-vorhandene Lilie von New Orleans, heißen uns willkommen. Vorbei an Sitzelementen mit kleinen Beistelltischen, weisen die stets durch einen Adler dekorierten Hinweisschilder die Richtung. Ruhig die Stimmung, stets begleitet durch gelbgefärbte Lichtpunkte der kunstvoll eingeschmiegten Deckenbeleuchtung, durchschreitet man leise die letzten Meter in die Jazz Brunch im Blue RoomSchlafdomizile - zu einer "Guten Nacht".

Wir sind stilvoll Zuhause angekommen. Genau so muss es sich für die Gäste schon in den späten Jahren des 19. Jahrhunderts angefühlt haben. Das Hotel wurde 1893 von dem deutschstämmigen Louis Grunewald als "The Grunewald" eröffnet und erst 1923, als Verbeugung vor dem großen US-Präsidenten Theodore "Teddy" Roosevelt, in "The Roosevelt" umbenannt. Geblieben ist sein Flair. Geblieben sind die vielen kleinen Geschichten. Denn hier haben ganze Generationen von Musikern und Künstlern - von Frank Sinatra über Elvis bis Pink Floyd - gelebt und geliebt. Hierher hat es immer schon den Geldadel gezogen: Politiker, Großindustrielle, Bankiers oder über Nacht reich gewordene Goldsucher gaben sich hier ein illustres Stelldichein. Trotz Weltkriegen, Börsencrash und Finanzkrisen. Das alles hat das Roosevelt kommen und gehen sehen. Geblieben ist dieses Monument südstaatlichen Lebensgefühls.

Wohl geruht und hungrig begeben wir uns nach einer kurzen Nacht in einem wundervollen King-Size-Bett zurück in die Lobby. Von dort führen diverse Wege in die Restaurants oder Bars des Hotels. So auch in den "Blue Room", Heimat diverser Feiern, lädt dieser sonntags zum Jazz Brunch. "Ich bin stolz in solch einem traditionsreichen Hotel zu arbeiten", verrät uns der General Manager Tod Chambers, mit dem wir verabredet sind. "Mit 170 Millionen Dollar Renovierungskosten, ist das Roosevelt eines der größten privaten Investments in New Orleans seit dem Hurricane Katrina", erzählt Chambers weiter. Besonders stolz sei das Haus auf die antike Uhr in der Lobby. "Der Blickfang der Lobby, ganz klar", sagt er. "Gefertigt wurde diese wundervolle Uhr 1867 in Paris. Es ist die größte seiner Art weltweit und wird alle acht Tage von Hand aufgezogen", erzählt der GM des Roosevelt. Recht hat er: Imposant bergrüßt der antike Zeitmesser die Besucher des Hotels am Haupteingang. Diese Antiquität final hinter sich lassen, heißt allerdings auch Abschied nehmen. Nach dem Brunch enden wundervolle Tage im Roosevelt. Leider.

Info:
Das Roosevelt bietet seinen Gästen 504 Schlafdomizile, darunter befinden sich 135 luxuriöse Suiten. Das Haus liegt zentral im Herzen von New Orleans und ist deutlich mehr als eine Luxus-Herberge - es ist eine lebendige Legende gehobener Lebensart.

http://www.therooseveltneworleans.com/

Fotos: msc / Roosevelt

 

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