Es gibt Dinge, von denen es heißt, dass man sie einmal im Leben getan haben sollte: Für den Mann ist es das Pflanzen eines Baumes, für den Moslem der Besuch in Mekka, und ich möchte ein "Must" für den Hotel-Afficionado hinzufügen: einmal im "Ritz Paris" logieren. Wiederholung wahrscheinlich.
Ganz gleich, ob man das erste oder das zehnte Mal die drei Stufen zum Entrée emporsteigt; Der Mythos ist allgegenwärtig und unverbraucht. 1898 vom legendären Urvater der gehobenen Hotellerie César Ritz eröffnet, gilt dieses Haus als prachtvollstes und luxuriösestes Hotel der Welt. Kein Wunder, wurde es doch von Hardonin-Mausart, dem Architekten des Schloss Versailles erbaut. 1979 erwarb der Ägypter und Besitzer des "Harrod´s" in London, Mohamed Al Fayed, das Haus am Place Vendôme. Bis 1989 wurde es vollständig renoviert. Die Beibehaltung des Originalstiles war dabei maßgeblich.
Für viele ist das Ritz nach wie vor der Inbegriff von Exzellenz und Glamour. Hier wie kaum andernorts ranken sich viele Legenden um die Großen dieser Welt, ob gekrönte Häupter, exzentrische Dichter und Denker, Modemacher oder Stars. Und immer noch ist diese Oase des Luxus der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Pariser und internationaler Gäste. Tradition, Prestige und der historische Nimbus sind im Ritz noch stärker ausgeprägt als in anderen Palast-Hotels. Die 135 Zimmer und 40 Suiten bieten das Flair der Vergangenheit und gleichzeitig eine perfekte technische Ausstattung. Der Blick
geht entweder auf den Place Vendôme oder in einen der drei privaten Gärten des Hotels. Feinstes Mobiliar im Stil des französischen 17. Jahrhunderts findet der Gast in jedem Raum mit individueller Einrichtung vor, der somit seinen persönlichen Zauber entfaltet.
Zimmer und Suiten in der Bel Étage haben sechs Meter hohe Decken und vermitteln Palast-Ambiente im "Ritz-Style". Unzählige kleine Détails, wie feine Texturen aus Brokat oder die Spiegelung einer antiken Wanduhr über dem Kamin, zeigen Exzellenz. So auch im Bad aus italienischem Marmor und Armaturen, aus denen das Wasser aus goldenen Schwänen fließt. Eine Besonderheit sind die pfirsichfarbenen mit Hotelemblem bestickten Handtücher, Bademäntel sowie die kuscheligen Slipper. Sie sind eine Hommage an Marie-Louise Ritz, die Gattin von César Ritz, die meinte, dass diese sanfte Farbe dem morgendlichen Antlitz schmeichle.
Inbegriff von Eleganz
Einige Suiten haben Sauna und Jacuzzi. Zehn außergewöhnliche Suiten tragen die Namen berühmter Gäste wie Chopin, Coco Chanel oder Elton John. Die Zeiten, als die Angestellten Chanel No 5 versprühten, wenn die
Lady die Halle durchschritt, sind jedoch vorbei. Aber auch heute ist das Personal (zwei Angestellte pro Zimmer) auf individuelle Bedürfnisse fokussiert. Die zuweilen geäußerte Kritik, dass der Service im Ritz arrogant und verbesserungswürdig sei, konnten wir in keiner Weise teilen. Ganz im Gegenteil: Freundlich, motiviert, engagiert und auf dezente Weise informiert, so war unsere Erfahrung, die wir auch in den Restaurants machten.
Das "Espadon", Gourmetrestaurant seit 2009 mit zwei Michelin-Sternen dekoriert, ist ein Tempel der Pariser Gastronomie und Schauplatz für das à la carte Frühstück, Lunch und Dinner. Erlesene Eleganz prägt diesen Raum mit einer wunderschönen "trompe l´oeil"- einer Decke, die in einen blassblauen Himmel hineinzuführen scheint. Unser absoluter Lieblingsplatz mit entsprechendem Mythos ist die "Hemingway Bar", eine Bühne mit Wohnzimmer-Charakter, für den belebenden Auftritt von Schönheit und Prominenz. Den Namen trägt die Bar nicht ohne Grund, gehörte Hemingway doch zu ihren Stammgästen und zu den Bewunderern des Hotels ohnehin: "When I dream of heaven and the life after, the action always takes place at the Ritz Paris."
Fazit: Wer die prunkvolle Hotel-Weltbühne mit der Grandezza einer vergangenen Epoche schätzt, wird hier diese magische Atmosphäre erleben und sich wohlfühlen. Am Place Vendôme, im Nobel-Dreieck zwischen Louvre, Eiffelturm und Garnier Oper gelegen, ist das Ritz immer noch Inbegriff von Luxus und Eleganz.
Weitere Informationen finden Sie unter www.ritzparis.com.
Fotos: Ritz Paris



Wenn man nur mehr Zeit hätte. Beispielsweise könnte dann der Frage
nachgegangen werden, ob ein Zusammenhang zwischen ökonomischer und
kulinarischer Entwicklung bestünde. Eine Frage in diesem Kontext könnte dann
sein, ob in schlechten Zeiten - was vordergründig logisch erscheint - weniger
auf den Tisch kommt und in guten eben deutlich mehr. Das Gegenteil scheint
jedoch der Fall zu sein. Ein nur oberflächlich durchgeführter Vergleich von
Wirtschaftsentwicklung anhand von Wachstumskennzahlen und Food-Fotografien der
Vergleichszeiträume zeigt, dass gerade in Boom-Zeiten die präsentierten
Gerichte deutlich reduzierter ausfallen (Ausnahme: die 50er Jahre, in denen
nach kriegsbedingtem Darben kräftig zugelangt wurde) und kubistisches
Schnitzwerk die Berge von Nahrung verdrängt. Das mag an der Zielgruppe liegen,
die sich längst qua ererbten oder erarbeiteten Grundvermögen abgekoppelt hat
von ökonomischen Entwicklungen und einfach nur gerne gut isst. Reine
Spekulation, keine Erklärung. Auch geht es in postindustriellen Zeiten um
deutlich mehr denn die simple Nahrungszufuhr - es darf halt auch in der Küche
das moderne Design der Standard-Einrichtungshäuser nicht fehlen. Zudem ist das
Streben nach Profitmaximierung schon längst bei den Köchen angekommen. Die
einfache Gleichung: Weniger auf dem Teller heißt mehr in der Kasse. Hübsch
angerichtet und verpackt, fällt uns das nicht sonderlich auf. Vielleicht ist
es aber auch nur ein Zeichen von Zeitmangel. Reduktion, schneller Konsum, acht
Gänge in einer Stunde, Mund abputzen und dann wieder raus in die Welt und
Mehrwert schaffen. Ist deshalb das japanische Fast Food Sushi so beliebt?
Werden deshalb Pitbull-Weine mit 14,5 Volumenprozent gelupft? Ach, wenn man
nur mehr Zeit hätte,
meint DER KULINARIKER.
Nicolas Géant, Imker: Die Biene in den Städten trägt besser als die Feldbiene. Foto: Stephan Gabriel

