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| Shortbreak in der Villa Aminta |
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Das Thermometer zeigt knapp 30 Grad, als ich nach rund fünfeinhalb Stunden Zugfahrt am frühen Nachmittag am kleinen Bahnhof von Stresa auf der piemontesischen Seite des Lago Maggiore aus dem Zug steige. Auf dem Bahnsteig erwarten mich gleich zwei distinguierte Herren. Der eine, im blutroten Livree verziert mit in der Sonne blitzenden Goldtroddeln, erinnert ein wenig an einen Zirkusdirektor. Der andere steckt im perfekt sitzenden dunklen Anzug.
Der smarte Herr in Schwarz ist Ritchie Markus, enger Freund der Eigentümerfamilie und kreativer Impressario der Villa Aminta. Beide begleiten mich zu einer schwarzen S-Klasse Limousine und in weniger als fünf Minuten Fahrt auf der schmalen Uferstraße haben wir unser Ziel erreicht.
Eingebettet in eine parkähnliche Garten-Anlage mit einem Meer von Hortensien in Lila, Violett, Rosa und Weiss und üppigen Palmen, erhebt sich die Villa Aminta mit überbordender Fassade, romantischen Balkonen mit Jugendstilornamenten und einem grazilen Wintergarten, als hätten die Zeiten ihr niemals etwas anhaben können. Schon beim Eintreten in das Foyer spürt man das sichere Gespür der Hausherrin für edles Interieur: Pink gestreifte Sofas, eine Barock-Kommode in gelben Harlekin-Muster, schwere, dunkelblaue Samt-Fauteuils und darauf, wie zufällig liegen geblieben, edle Kissen im Tiger-Look. Gewagt, aber gekonnt, eine perfekte Inszenierung, deren Anziehungskraft selbst Liebhaber von puristischem Design nicht leugnen können.
Postkartenausblick auf die borromäischen Inseln
Auf der seezugewandten Seite stehen auf schneeweißem Kies verspielte Sitzgruppen, eingerahmt von üppigen Blüten, um den türkisfarbenen Pool reihen sich Liegen, die zum Dolce far niente verführen. Die zwei hauseigenen Restaurants, eines davon der prächtige Gourmettempel I Mori unter der Ägide von Guiseppe Vigna, locken mit mediterranen Köstlichkeiten. Gefrühstückt wird in hellem, lichten Ambiente mit Blick auf die Inseln oder auf der Terrasse.
Die prachtvollen Zimmer und Suiten sind, wie das ganze Haus, von ausgesuchter Eleganz – farblich harmonierende, opulente, schwere Stoffe, kostbare Antiquitäten, überall fragile Murano-Leuchter – eine besonderes Steckenpferd des Hausherrn. In gewissen Abständen reisen eigens Mitarbeiter aus der Lagunenstadt an, um die filigranen Glaskunstwerke fachkundig zu reinigen. Natürlich steht den illustren Gästen des Hauses ein eigener Strandabschnitt zur Verfügung, dazu mehrere Anlegeplätze für diejenigen, die auf der eigenen Yacht anreisen, ein Tennis- und ein Helicopter-Landeplatz. Drei Golfanlagen finden sich in nächster Nähe.
Nach einem kurzen Abstecher in mein Zimmer mit der Nummer 304, wo mich neben einen Postkartenausblick auf die borromäischen Inseln auch ein großzügiges Arrangement frischer Früchte und hausgemachter Dolci erwarten, meldet sich mein Magen zu Wort und ich entscheide mich für einen späten Lunch auf der Terrasse des Hausgästerestaurants Le Isole.
Ich beginne mit saftigen Ravioli, gefüllt mit einer würzigen Farce aus den lokalen Fischsorten Alborelle, Persico, Coregone und Trota di Lago, serviert in einer leichten Tomatenreduktion und gerösteten Mohnsamen. Danach ein köstlicher, kurz angebratener Tonno mit Sojasprossen, würziger Rauke und knusprigen Kartoffelscheibchen. Dazu ein Glas leichter, kühler Chardonnay – gottlob ohne den heutzutage scheinbar unvermeidlichen Barriqueton. Zum süßen Schluss ein Klassiker: Erdbeeren mit altem Balsamico und Grappa-Parfait. Der köstliche, kochend heiße und in homöopathischen Dosen verabreichte Espresso krönt das Mal stilgerecht und macht süchtig, dazu gebrannte Haselnüsse aus dem Piemont.
Schönheit mit geheimnisvollem Monalisa-Lächeln
Nach dem Lunch besuche ich den asiatisch inspirierten und mit viel Liebe zum Detail ausgestatteten Spa-Bereich, der Ende 2008 eröffnet wurde. Zuerst ein Abstecher in die verschwenderisch mit aufwendigen Mosaiken ausgestattete Grotta, die den natürlichen Kalksteinhöhlen auf den Inseln im Lago nachempfunden wurde und die ich an diesem Mittwoch Nachmittag ganz allein genießen kann. Ich beginne mit der Erlebnisdusche, die mit aromatisierten Dampfschwaden, schottischer Heiß-Kalt-Dusche, Schwall- und Tellerbrause bis hin zum effektvoll inszenierten tropischen Gewittersturm mit diversen Farbeffekten alle Sinne stimuliert. Danach entspanne ich im Römischem Aromadampfbad und dem großzügigen Jacuzzi. Nach einer dreiviertel Stunde holt mich eine dunkelhaarige Schönheit mit geheimnisvollem Monalisa-Lächeln zum vereinbarten Massagetermin ab und verwöhnt mich in einem der luxuriös ausgestatteten Behandlungsräume auf einer Art Wasserbett mit Brandungseffekt mit einen Ganzkörpertreatment, dass mich dermaßen entspannt, dass ich beim Rückweg zum Lift eher fließe als gehe.
Am Abend steht ein typisch piemontesisches Dinner auf dem Programm. Vorneweg bitten Beatrice und Roberto Zanetta zu einem Aperitif auf die Terrasse. Serviert wird ein hinreißender 2003er Spumante Bellavista aus dem Franciacorta in der benachbarten Lombardei, der manchen Prestigechampagner alt Aussehen lässt, dazu eine Vielzahl kleiner Häppchen: mit Krebsfleisch gefüllte Cocktailtomaten, Polentaplätzchen, Morzzarella di Buffola. Besonders köstlich: die lokale Salamivariante. Als Auftakt des Menüs wird dann ein kräftig geräucherter Rohschinken aus dem Vigezzotal mit Rhabarber-Kürbiskompott und knusprig gegrillten Roggenbrotscheiben serviert. Danach sensationelle Ravioli del Plin, einer der piemontesischen Spezialitäten schlechthin, mit einer kräftigen Fülle aus Rindfleisch, fein abgeschmeckt mit Lorbeer in einem kräftigen, mit reichlich Rotwein abgeschmeckten Jus. Dazu ein würdevoller Barbera d´Alba von Prunotto.





