Sanft taucht die aufgehende Sonne die Landschaft der südlichen Steiermark in ein warmes Licht. Die Täler färben sich glühend rot, während die zwitschernden Vögel munter den herannahenden Tag begrüßen. Nebelschwaden steigen von den kleinen Teichen ausgehend die Hänge des Tales empor. Am strahlenden Himmel haben es sich große weiße Wattewolken langsam bequem gemacht. Es ist sechs Uhr morgens und wir sind auf dem Weg zu einem Abenteuer: Eine Ballonfahrt der besonderen Art.
Eine Ballonfahrt mitsamt Weinverkostung. Doch zuerst muss das Gefährt einmal aufgebaut werden. Rhythmisch tuckert der überdimensionale Ventilator und bläst unablässig warme Luft in die 1400 Quadratmeter große Polyester-Hülle des Ballons und wedelt nebenbei die Tropfen des Morgentaus über die Wiesen. Wie kleine Diamanten funkeln sie im Sonnenschein. Und dann wird der aufgeblähte Ballon mit Gas "angebrannt". "Jetzt geht alles ganz schnell", sagt unser erfahrener Pilot Hermann Fideko. In der Tat: Kaum, dass sich die große blaue Kugel prall gefüllt hat und der Flechtkorb aufrecht steht, will er auch gleich in die Höhe steigen. Erste Instruktionen für die Mitreisenden folgen. In der Kuppel des Ballons herrschen jetzt rund 90 Grad. Nach dem Abheben wird das ganze Luftgefährt vier Tonnen wiegen.
"Graz, Guten Morgen!"
Ein letzter kräftiger Stoß und wir heben ab. Schnell und gleichmäßig geht es in die Höhe. Die Erde unter uns wird kleiner und kleiner, das Blickfeld über die Hügellandschaft kurz vor der slowenischen Grenze immer weiter. Jetzt zittern noch die Knie. Die Weite ist wunderschön, doch der Blick nach unten ungewohnt tief. Die Meldung an die Zentrale geht über das Funkgerät: "Graz, Guten Morgen!" – wir sind gemeldet und ab jetzt ist es amtlich: Wir machen eine Weinprobe in 4000 Fuß Höhe – das Auge immer auf das grüne Land unter uns gerichtet. Hier, weit unter uns liegen die sieben idyllischen und Natur nahen "PURES Leben"-Ferienhäuser von Dietmar Silly.
Er ist dafür verantwortlich, dass wir in die Luft gegangen sind. Seit acht Jahren verfolgt Silly die Vision der Einfachheit, die er in jedem seiner individuellen Häuser mit Komfort zu einem wahren Urlaubstraum macht. Derzeit hat er sieben Winzer- und Lagenhäuser, die in Mitten herrlicher Natur und Weinbergen stehen, zu kleinen Schmuckstücken ausgebaut, die keinen Wunsch offen lassen. Die verwendeten Materiealien wie Eichenholz und Stein holen die Umgebung ins Haus. Dazu kommt der Luxus des Mitdenkens: "Es muss bei uns mindestens so schön sein wie zu Hause – wenn nicht schöner", wünscht sich Silly, der sich diesem Ziel sehr nahesieht und seinen Gästen alles zur Verfügung stellt, was sie während ihrem Aufenthalt benötigen könnten: Fernsehen im Wohn- und Schlafbereich, WLAN im gesamten Haus, eine gemütliche Sitzecke neben dem Kamin, Terrassen mit malerischen Ausblicken und einem Grill, eine vollausgestattete Küche und exklusive Bäder mit Whirlpool-Badewannen wie im Winzerhaus Tunauberg bei Oberhaag. "Jedes Haus hat seinen eigenen Charme, seine eigene Raffinesse." Doch allein bei der Ausstattung bleibt es nicht. Der Kühlschrank wird zur Anreise mit Leckereien der umliegenden Produzenten gefüllt, der Bäcker bringt morgens frische Brötchen ans Haus, die Espresso-Maschine steht bereit. Und der Tag kann beginnen.
Auch für den ersten Abend hat sich Dietmar Silly etwas Besonderes einfallen lassen. Er schickt seinen Gästen die "g'standene Steirerin" ins Haus. Eine Köchin, die eines von drei wählbaren Menüs nach typisch steirischen Rezepten kocht. Man sitzt auf der Terrasse und muss einfach nur noch eines tun: genießen. "Wir wollen hier Momente schaffen, die Lebensqualität geben – das kann man nicht kaufen, man muss es fühlen", sagt der 37-jährige Steirer. Er fühlt ein Konzept, eine Idee von leben, wohnen und wohlfühlen. "Ich möchte Plätze schaffen, die nicht erfunden sind, sondern zurückgehen, es einfacher machen. Und das dabei so komfortabel wie möglich." Den Komfort des Nichtdenkens, einfach des Seins. Wünsche sind hier keine Luftschlösser: Ein Himmelbett im Weinberg, eine Picknickfahrt mit der Vespa, eine Spritztour mit dem Cabrio über die Weinstraße der Steiermark oder vielleicht ein romantisches Candle-Light-Dinner im hundert Sterne Restaurant – einer kleinen Terrasse, die über einem Tal schwebt und bewirtet wird von der "g’standenen Steirerin".Träume und Fantasien. Hier finden sie eine Heimat.
Man schmeckt den mineralischen Einschlag des Kalkbodens
"Unsere Gäste möchten ihre Ruhe haben und die Region genießen. Gäste, die sich durchaus einen Ferrari leisten können. Doch das ist ihnen nicht wichtig", weiß Silly aus seiner Erfahrung. "Hier geht es nicht darum, wer du bist oder was du hast, sondern allein darum, wie du es erleben willst." Erleben – ja, das ist es, was den kreativen Denker auch auf die Idee der Weinprobe im Heißluftballon gebracht hat. "Dort oben ist man mit der Welt verbunden." Und mit den Weinen des Familien-Weingutes, dass mittlerweile von Dietmar Silly und seinem Bruder Gerald geleitet wird. Auch für ihn ist es das erste Mal im Ballon. Und auch für ihn ist es die erste Weinprobe ohne festen Boden unter den Füßen. Als erstes probieren wir den Welsch-Riesling der Sillys. "Für einen leichten Aufstieg einen leichten Wein", meint Gerald und schenkt gleich eine Spur zu viel ein. Es ist mittlerweile sieben Uhr morgens und für uns heute Zeit für den ersten Schluck des frischen und Apfel betonten Weißweines.
"Wir sind ein klassisches Weingut, das nur sortenreine Weine herstellt. Ich denke da wie mein Bruder und setze eher auf Minimalismus. Der aber ist bis ins Detail gut gemacht." Das Weingut Silly hat sieben Weine im Programm. Fünf weiße und zwei rote. Beim trockenen Weißburgunder, der feine Marillen-Noten in die Nase trägt, ist die Höhe bereits kein Problem mehr. Ob das an der Gewöhnung oder dem frühen Einsatz von Alkohol liegt, ist jetzt nicht wichtig. Denn unter uns streicht die Landschaft vorbei. Wir sinken so tief, dass es scheint, als könnten wir die Baumwipfel mit unseren Fingerspitzen berühren, steigen dann wieder und probieren den Sauvignon Blanc. "Diese Rebsorte ist bei uns im Kommen und verdrängt unsere Paraderebe den Welsch-Riesling immer mehr."
Und das ist bei dem klaren Ausbau, den der Wein im Glas zeigt, auch keine Verwunderung: Man schmeckt den mineralischen Einschlag des Kalkbodens, auf dem er gewachsen ist. Die typischen Stachelbeer-Aromen und die ansprechende Reife. Auch der Morillon, wie der Chardonnay in der Steiermark genannt wird, überzeugt durch Eleganz und Klarheit. Nachdem Muskateller, mit seiner unverfälschten Rose in der Nase und dem Hauch von Muskat am Gaumen, folgen die beiden Roten. Zweigelt – einmal klassisch im Stahltank ausgebaut, wie die Weißweine auch. Und einmal 16 Monate im Barrique-Fass zu einem vollen, samtigen Wein gereift. Hier entpuppt sich der sonst eher alltägliche Trinkwein als ein großes Gewächs mit Struktur und ganz viel Frucht. Bald werden wir landen und feststellen, dass er am Boden noch viel voluminöser, reichhaltiger und schwerer daherkommt. Die Gasflaschen des Ballons gehen zur Neige. Es ist erst kurz nach acht Uhr am Morgen und wir machen uns bereit für die Landung. Sacht gleitet der Ballon zu Boden, direkt neben ein grünes Kürbisfeld. Wir setzen sanft auf und wollen am liebsten gleich wieder in die Luft steigen. Denn wir haben es eben gespürt, das pure Leben.
Weitere Informationen unter www.puresleben.at.
Fotos: aha / puresleben.at



Wenn man nur mehr Zeit hätte. Beispielsweise könnte dann der Frage
nachgegangen werden, ob ein Zusammenhang zwischen ökonomischer und
kulinarischer Entwicklung bestünde. Eine Frage in diesem Kontext könnte dann
sein, ob in schlechten Zeiten - was vordergründig logisch erscheint - weniger
auf den Tisch kommt und in guten eben deutlich mehr. Das Gegenteil scheint
jedoch der Fall zu sein. Ein nur oberflächlich durchgeführter Vergleich von
Wirtschaftsentwicklung anhand von Wachstumskennzahlen und Food-Fotografien der
Vergleichszeiträume zeigt, dass gerade in Boom-Zeiten die präsentierten
Gerichte deutlich reduzierter ausfallen (Ausnahme: die 50er Jahre, in denen
nach kriegsbedingtem Darben kräftig zugelangt wurde) und kubistisches
Schnitzwerk die Berge von Nahrung verdrängt. Das mag an der Zielgruppe liegen,
die sich längst qua ererbten oder erarbeiteten Grundvermögen abgekoppelt hat
von ökonomischen Entwicklungen und einfach nur gerne gut isst. Reine
Spekulation, keine Erklärung. Auch geht es in postindustriellen Zeiten um
deutlich mehr denn die simple Nahrungszufuhr - es darf halt auch in der Küche
das moderne Design der Standard-Einrichtungshäuser nicht fehlen. Zudem ist das
Streben nach Profitmaximierung schon längst bei den Köchen angekommen. Die
einfache Gleichung: Weniger auf dem Teller heißt mehr in der Kasse. Hübsch
angerichtet und verpackt, fällt uns das nicht sonderlich auf. Vielleicht ist
es aber auch nur ein Zeichen von Zeitmangel. Reduktion, schneller Konsum, acht
Gänge in einer Stunde, Mund abputzen und dann wieder raus in die Welt und
Mehrwert schaffen. Ist deshalb das japanische Fast Food Sushi so beliebt?
Werden deshalb Pitbull-Weine mit 14,5 Volumenprozent gelupft? Ach, wenn man
nur mehr Zeit hätte,
meint DER KULINARIKER.
Nicolas Géant, Imker: Die Biene in den Städten trägt besser als die Feldbiene. Foto: Stephan Gabriel

