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Prag: Kampf der Titanen

Aus Prag berichtet Dr. Thomas Hauer
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Prag: Kampf der Titanen
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Prag ist die Stadt Kafkas, eines folgenschweren Fenstersturzes, der halb Europa in Brand setzte, eines allzu kurzen Frühlings und der samtenen Revolution von 1989. Ob Goldene Stadt, Stadt der Tausend Türme, steinerner Traum oder Krone der Welt –  nur einige der Attribute, mit denen Besucher im Laufe der Jahrhunderte versucht haben, ihre Faszination für Prag in Worte zu fassen.

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Mitten im historischen Stadtkern, 1992 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen, verbindet die weltbekannte Karlsbrücke seit mehr als 700 Jahren die beiden Moldauufer und damit Altstadt und Malá Strana unterhalb der Prager Burg. Kein Wunder, dass nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, der Prag beinahe über Nacht aus seinem bleiernen Dornröschenschlaf wachgeküsst hat, gerade dieses Areal zum bevorzugten Standort für neue Hotelprojekte  avancierte.

Und die beiden Top-Hotels der Moldaumetropole haben deshalb auch genau hier ihre Pforten eröffnet: 2001 das Four Seasons auf der Altstadtseite, nur einen Steinwurf von den historischen Türmen der Karlsbrücke entfernt und mit spektakulärem Blick auf das linke Ufer mit der alles beherrschenden Prager Burg. Auf der anderen Seite des Flusses 2006 das Mandarin Oriental, das in einem ehemaligen Dominikaner-Konvent aus dem 14. bis 17. Jahrhundert residiert – mitten im Herzen des historischen Malá Strana Viertels, in dem auch zahlreiche diplomatische Vertretungen zu finden sind. Die Botschaften von Norwegen, Dänemark, Japan, Spanien und des Malteserordens liegen gleich um die Ecke. Beide Hotelensemble spiegeln in ihrer historischen Architektur den typischen Prager Stilmix verschiedenster Baustile und -epochen, die hier einträchtig nebeneinanderstehen und den besonderen Reiz der Stadt-Silhouette ausmachen. Während sich im Four Seasons Neo-Renaissance, Barock und Klassizismus mischen, verbinden sich im Mandarin Oriental Gotik, Renaissance und Hochbarock zu einer stimmigen Einheit. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind von beiden Hotels innerhalb weniger Minuten zu Fuß zu erreichen.

Bis ins kleinste Detail perfekt

Erste Station meines Aufenthalts ist das Four Seasons, dass man vom Hauptbahnhof aus bequem in zehn Minuten mit dem Taxi erreichen kann, eine Metrostation der Linie A ist ebenfalls gleich um die Ecke. Vom Flughafen braucht man rund 30 Minuten. Eröffnet wurde das Haus 2001, musste dann nach wenigen Monaten aber wegen der Folgen des Jahrtausendhochwassers im August 2002 für eine Totalsanierung wieder geschlossen werden und konnte schließlich erst 2003, nach mehr als zehn Monaten intensiver Restauration, aber schöner als je zuvor wiedereröffnet werden. Beim Betreten des imposanten Komplexes mit großzügiger Lobby bleiben die Augen unweigerlich an den modernen Blumenarrangements des hauseigenen Floristen kleben, die die Public Areas des Hauses schmücken und für die das Haus mittlerweile international bekannt ist.

Ich habe mich für ein Zimmer im Renaissanceteil des Hotels entschieden, denn mit durchschnittlich 45 Quadratmetern sind das, von den Suiten abgesehen, nicht nur die größten Zimmer der Stadt, sie beeindrucken auch durch rund 3,80 Meter Raumhöhe und wurden gerade komplett neu gestaltet. Neben den unübertrefflichen Four Seasons Betten bieten die Zimmer allen nur erdenklichen Komfort. Auch der Service ist – wie gewohnt – bis ins kleinste Detail perfekt. Am meisten beeindruckt mich aber immer wieder der Schuhputzservice. Am Abend vor die Tür gehängt, kommen die Schuhe spätestens um 7.00 Uhr in der Früh zurück: perfekt gepflegt, ja wie neu und einzeln in Seidenpapier verpackt.

Stil kommt eben nie aus der Mode. Da ich erst am Abend angereist bin, frage ich den Concierge nach einem Restauranttipp mit typisch tschechischer Küche. Er empfiehlt die Kolkovna-Restaurants (es gibt insgesamt drei im Innenstadtbereich), die zu Pilsner-Urquell gehören. Mit einem Stadtplan bewaffnet, auf dem der Concierge die Restaurants dick umkringelt hat, stürze ich mich in den Trubel der engen Altstadtgassen. Trotz Nieselregen und kaum zwei Grad über Null, ist scheinbar die ganze Stadt ein Tollhaus und Massen von Touristen schieben sich in endlosen Schlangen durch die verwinkelten Straßen. Da es um meinen Orientierungssinn nicht zum besten bestellt ist, irre ich fast eine dreiviertel Stunde in der Kälte herum, kann aber beim besten Willen keines der drei Lokale finden, egal wie herum ich den Stadtplan auch halte und in welche Richtung ich tappe.

Völlig entkräftet beschließe ich mich an einem der zahlreichen Imbissstände der Stadt an einem saftigen Stück über offenem Feuer gegrillten Prager Schinkens zu stärken. Kaum habe ich den verputzt, taucht eines der gesuchten Lokale, das Celince, gleich um die Ecke auf. Da ich nun schon einmal da bin, probiere ich beherzt noch ein gewaltiges Pilsner Biergulasch mit Knödeln, dazu – natürlich – ein Pilsner Urquell. Alles für umgerechnet weniger als acht Euro. Den nächsten Morgen starte ich deshalb nur mit einem kleinen Birchermüesli, bevor ich die zahllosen Museen, Galerien und vor allem die imposanten Kirchen der Stadt erkunden will. Für jeden Geschmack ist hier etwas dabei: das Kafkamuseum für Literaturfans, die Nationalgalerie für Kunstfreunde, das imposante jüdische Viertel mit der ältesten Synagoge Europas oder die Prager Burg, für die man mindestens einen ganzen Tag einplanen sollte.

Perfekt ausgewählte italienische Tropfen

Zurück im Hotel bin ich mit Martina vom Four Seasons zum Lunch im Sternerestaurant Allegro – dem einzigen Sternerestaurant in ganz Osteuropa – zu einem späten Lunch verabredet. Am Herd steht hier der Italiener Andrea Accordi, der mit seiner modern interpretierten, mediterranen Küche nicht nur die Inspektoren des Guide Rouge zu begeistern versteht, sondern auch die Local Crowd ins Four Seasons zieht. Accordis Küchenstil ist einerseits hochkreativ, andererseits aber auch sehr authentisch und traditionell. Die – wahrhaft erstklassigen – Produkte spielen hier immer die erste Geige. Nach einem Spumante von Ca´del Bosco aus der Franciacorta beginnen wir den Lunch mit Andreas Signature Disch – einer Variation vom Blue-Fin Tuna: Tatar mit Algenbisquit und Wildfenchelsorbet, daneben leicht angeröstet mit belgischem Endivien, Birnenmarmelade, Sardinen und Schwarzer Olivenemulsion und in einer knusprigen Variante mit Olivenölcreme und Pantelleria Kapern. Ein Traum. Dann hausgemachte Bigoli-Pasta mit Pepperoncino, Calamari, roten Garnelen, Wildbrokkoli und Knoblauch. Als Secondo Spanferkel mit Lakritz glasiertem Bauch, Schweinskopfterrine mit süßsaurem Rotkohl, gestampften Kartoffeln und Dunkelbiersoße. Darauf als Krönung eine ordentliche Schicht schwarzer Trüffeln. Zum Schluss eine kleine Dessertvariation, für die ebenfalls Andrea zuständig ist, denn er ist Chef de Cuisine und Chef Patissier in Personalunion. Dazu empfiehlt Sommelière Jana perfekt ausgewählte italienische Tropfen, die sie in akzentfreiem Englisch präsentiert.



 

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